Zeitung Heute : Die besten Plätze gibt’s am Rand

NAME

Millionen Fernsehzuschauer in den grenznahen Regionen Deutschlands können sich freuen: Da die meisten Nachbarländer alle Spiele der Fußball-WM zeigen, können sie die WM auch ohne Premiere-Abo in vollen Zügen genießen. Auf die maximal 25 WM-Spiele, die ARD und ZDF zeigen dürfen, sind sie deshalb auch nicht angewiesen.

Allein in Nordrhein-Westfalen können 500 000 Haushalte den holländischen TV-Sender NOS 2 empfangen, das 56 der 64 Spiele live ausstrahlt. „Wen der holländische Kommentar nicht stört, der hat dann Glück gehabt“, sagt Peter Widlok, Sprecher der Landesmedienanstalt in Düsseldorf. Dies gilt auch für Deutsche, die in den nächsten vier Wochen Urlaub in deutschen Nachbarländern machen.

Auch die Belgier und Franzosen können alle WM-Spielzüge sehen. Die Dänen bringen im öffentlich- rechtlichen Fernsehen 45 Spiele, sogar in Österreich (ORF 1) sind 34 zu verfolgen. Und das, obwohl das Land nicht einmal bei der WM vertreten ist.

Die Deutschen in den grenznahen Gebieten können entweder über Antenne oder im Kabel die Tore bejubeln. Denn dort müssen per Gesetz diejenigen ausländischen Programme ins Kabel eingespeist werden, die normalerweise auch über Antenne zu empfangen sind. Berlin, das weniger als hundert Kilometer von Polen entfernt liegt, wo alle 64 Spiele gezeigt werden, hat davon allerdings nichts. TV Polonia, das sich früher den Kanal mit dem MDR geteilt hat, ist nicht mehr im Kabel. Und terrestrisch ist das polnische Programm nur noch in den Gebieten um Bautzen und Görlitz zu empfangen.

Wie viele Zuschauer genau in Deutschland davon profitieren, kann nur hochgerechnet werden. Im Saarland können etwa 350 000 Haushalte den französischen Sender TF 1 empfangen, der die WM vollständig überträgt. Die schleswig-holsteinische Landesmedienanstalt in Kiel hat ausgerechnet, dass nördlich der Linie von Neumünster bis zu 270 000 Kabelhaushalte dänisches Fernsehen erhalten können. Dabei sind noch nicht berücksichtigt: Die Zuschauer, die keinen Kabelanschluss haben und das Programm über Antenne empfangen. In Bayern und Baden-Württemberg ist der ORF von Passau bis zum Bodensee zu sehen.

Beim Bezahlsender Premiere in München mit seinen derzeit etwa 2,4 Millionen Abonnenten werden die „Auslandsseher“ bei der WM nicht als Problem gesehen. „Wir denken nicht lange darüber nach“, sagt Sprecher Dietrich Wöstehoff. Das Angebot seines Senders sei so attraktiv, dass die Übertragung eines Spiels mit ausländischem Kommentar keine Konkurrenz bedeute. dpa/Tsp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar