Zeitung Heute : Die betörte Förstertochter

Die Legende lebt: In Binenwalde soll Friedrich II. am Seeufer inkognito mit Sabine geturtelt haben.

Die Holde. Sabines Denkmal im Örtchen Binenwalde. Foto: Ste.
Die Holde. Sabines Denkmal im Örtchen Binenwalde. Foto: Ste.

Das kleine Binenwalde zwischen Neuruppin und Rheinsberg hält eine süße Erinnerung an Friedrich II. lebendig. Dort steht nicht der nach Anerkennung und Macht strebende Monarch im Mittelpunkt, sondern der „romantische Liebhaber“, der „Verführer mit dem Flötenspiel“ oder der „gut aussehende Kavalier“. Solcherlei Attribute werden dem Kronprinzen im nur gut 80 Einwohner zählenden und reizvoll am Kalksee gelegenen Dorf zugeordnet. Und der Name Sabine spielt dabei eine gewichtige Rolle.

Der schönen Försterstochter haben sie schon 1843 ein Denkmal gesetzt. 1945 wurde die lebensgroße Skulptur zwar mutwillig zerstört, aber seit 2007 steht auf dem Sockel wieder ein originalgetreuer Nachbau. Das Geld dafür wurde von den Binenwaldern und durch die Einnahmen des jährlichen Sabinenfestes aufgebracht.

Glaubt man den zahlreichen Heimatforschern und Chronisten und nicht zuletzt dem wandernden Dichter Theodor Fontane, hat sich zwischen jener Sabine und dem damals in Ruppin und Rheinsberg residierenden Kronprinzen Friedrich eine zarte Romanze entwickelt. Demnach hielt sich der Kronprinz regelmäßig zum geliebten Flötenspiel am Ufer des Kalksees auf. Die Tochter des damaligen Försters hörte von ihrem Boot aus die betörenden Töne und traf sich danach regelmäßig mit dem „Spielmann aus der Kapelle des Rheinsberger Hofes“. Friedrich selbst verriet seine wahre Identität nicht, soll aber stets mit dem Pferd oder mit der Kutsche voller Sehnsucht an den Kalksee gekommen sein. Eines Tages jedoch endeten die Treffen abrupt, ohne dass Sabine die Chance gehabt hätte, das Geheimnis ihres Geliebten zu lüften.

Obwohl es keine fundierten wissenschaftlichen Belege für die Romanze gibt, wird die erstmals 1913 veröffentliche Geschichte doch immer wieder gern erzählt. Die Försterstochter Sabine jedenfalls gab es wirklich. Sie wurde 1715 in Zühlen geboren und heiratete 1734 – also nach der vermeintlichen Beziehung zu Friedrich – den Förster Ludwig Cusig. Dieser wurde 1753 mit der Gründung einer Kolonie am Kalksee mit vier Häusern beauftragt. Er benannte sie nach seiner Frau und erhielt später Vergünstigungen vom König. Diese wiederum soll er in Erinnerung an Sabine in die Wege geleitet haben, womit sich der Kreis schließen würde.

Die zeitgleiche Gründung mehrerer Dörfer in der Nachbarschaft wird von den Binenwaldern großzügig verschwiegen. Ste.

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