Zeitung Heute : Die Böcke und ihr Gärtner-Fonds

Der Tagesspiegel

Von Ulla Weidenfeld

Mit Bernd-Peter Morgenroth hat die Bankgesellschaft den letzten Spitzenmanager entlassen, der als Mitverantwortlicher für die Bankaffäre in Berlin gilt. Dem bisherigen Chef der Landesbank wurde gekündigt, weil die Bankgesellschaft ihm Kapitalanlagebetrug bei einem speziellen Immobilienfonds vorwirft. Überhöhte Baukosten, überzogene Rückerstattungen und undurchsichtige Garantien sollen bei den Fonds ein Geflecht an Vergünstigungen, Steuergutschriften und Rückzahlungen für ausgewählte Anleger geschaffen haben, die zu Lasten der Bank und des Landes Berlin gehen. Dass auch Morgenroth gehen muss, ist wenig überraschend und gehört wohl zu den üblichen Aufräumarbeiten bei einem Sanierungsfall – auch wenn die Vorwürfe verjährt sein dürften, und auch wenn Morgenroht beteuert, dass ihn keine Schuld trifft.

Überraschend und weniger üblich ist dagegen die Tatsache, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrates diese Entscheidung weder herbeiführen noch mittragen konnte: Weil Ernst-Otto Sandvoss selbst zu den Zeichnern dieses Fonds gehört. Auch den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat ist die Entscheidung nicht leicht gefallen: Einer ihrer Vertreter war ebenfalls befangen. Aus dem gleichen Grund.

Beendet hat das Land seine Bankaffäre also auch mit der vorerst letzten Personalie im Spitzenmanagement nicht. Sandvoss ist erst seit wenigen Wochen Aufsichtsratschef der Bankgesellschaft und der Landesbank. Dass er Fonds dieses Hauses gezeichnet hatte, dürfte ihm dagegen schon etwas länger bekannt gewesen sein. Dass die Bankgesellschaft wegen dieser Fonds in ihrer Existenz bedroht ist, dürfte ihm auch nicht entgangen sein. Warum also hat er trotzdem das Aufsichtsratsmandat bei der Bankgesellschaft und der Landesbank übernommen?

Dass ein Aufsichtsratsvorsitzender eine entscheidende Sitzung wegen Befangenheit nicht leiten kann, mag in Berlin nur noch ein Schmunzeln hervor rufen. Empörung ist bei den Finanz-Angelegenheiten der Stadt eine Gefühlsaufwallung von Anfängern. Und doch wirft all das ein neues Licht auf die Bankgesellschaft. Ein Haus, das sich von allem befreien will, was es in der Vergangenheit falsch gemacht hat, darf sich keine Aufsichtsratsvertreter leisten, die mit dieser Vergangenheit finanziell eng verbunden sind. Diese Aufräumer sind offensichtlich nicht in der Lage, beim Kehren zu helfen. Wer soll da an einen Neuanfang glauben.

Seit Wochen bitten die neuen Manager der Bankgesellschaft ihre Kunden und Geschäftspartner um Vertrauen. Um den Glauben, dass dem Haus der Neuanfang gelingt, dass das Postenschachern und die Vorteilsgewährung vorbei ist. Am Montagabend haben sie einen Gutteil davon wieder verspielt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben