Zeitung Heute : Die bösen Onkels lassen die Politik der Sprechblasen platzen (Kritik)

Joachim Huber

n-tv. Der Zuschauer erlebte es mit Genugtuung. Da saßen drei Herren, sie haben keine Phrasen gedroschen (und wenn, dann nur solche, die sie virtuos beherrschen) und haben mit ungehemmtem Drang zur Selbstdarstellung ihr Bestes im geistreichen Palaver gegeben. Die Rede ist von den Herren Erich Böhme und Heinz Eggert (mit frischem Schwung aus der Sommerpause in den "Grünen Salon" zurückgekehrt) und von Michael Naumann, von Schröders Gnaden oberster Hüter von Kultur und Medien in der Republik. Und da wurde polemisiert, da gaben sich die Herren Talkmaster kein bisschen bedeckt, da wurde von ihrer Seite zünftig philosophiert. Naumann, ein sichtlich eher zurückhaltender Mensch, konnte dabei mithalten.

Wenn drei gebildete, informierte Menschen im Massenmedium Fernsehen einen Auftritt bekommen, können die Funken höher schlagen. Das Literarische Quartett des ZDF findet sein politisches Trio bei n-tv. Böhme und Eggert wissen, worüber sie reden wollen, fern ist ihnen und ihrer Sendung das Moderatoren-Muster mit ausgeprägter Kann-Alles-Haltung, die fast jedes Thema zu beherrschen glaubt. In diesem Gesprächsklima hat selbst Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen, als er jüngst im "Grünen Salon" Rede und Antwort stand, Erstaunliches, Bemerkenswertes zu sagen gehabt. Weil die Voraussetzung stimmte, dass er richtig gefragt, richtig gefordert wurde. Die Politik der Sprechblasen platzte auch hier im Angesicht der bösen Onkels Böhme und Eggert.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben