Zeitung Heute : Die Botschaft des Lachses

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Wie gesund ist Fisch?

Hartmut Wewetzer

Mein Sohn isst für sein Leben gern Lachsauflauf mit Broccoli. Jede Woche Lachs! Mit Broccoli! Aber er hat die Wissenschaft auf seiner Seite. Jedenfalls, wenn man einer neuen amerikanischen Studie Glauben schenken darf, die in dieser Woche im Fachblatt „Jama“ erschienen ist. Dariush Mozaffarian und Eric Rimm von der Harvard Medical School in Boston haben die gesundheitlichen Effekte des Nahrungsmittels Fisch untersucht und dabei viele wichtige Untersuchungen berücksichtigt. Ihr Urteil fällt ganz überwiegend positiv aus. Die Vorteile von Fisch überwiegen die Nachteile deutlich.

Fisch ist nicht nur eine wichtige Quelle für Eiweiß, Selen und Vitamin D, sondern auch für Omega-3-Fettsäuren. Sie schützen das Herz und stärken das Wachstum der kleinen grauen Zellen in den ersten Lebensjahren. Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche (am besten mit viel Omega-3) senken das Risiko des Herztodes um 36 und die Sterblichkeit insgesamt um 17 Prozent, sagen die Harvard-Forscher. Weitere günstige Auswirkungen auf die Gesundheit sind denkbar. Und welcher Fisch hat am meisten Omega-3? Richtig – Lachs. Mit Abstand am meisten von den gesunden Fettsäuren ist in Lachs aus Fischfarmen, gefolgt von Sardellen, Hering, Makrele, Wildlachs, Sardinen und Seebarsch.

Aber Fisch enthält auch Schadstoffe. Vor allem Quecksilber, daneben Spuren von Dioxinen und polychlorierten Biphenylen (PCBs). Es gibt Leute, die wegen geringer Dosen dieser Gifte keinen Fisch essen. Doch das ist ein Fehler, wie die Wissenschaftler deutlich machen. „Der Nutzen moderaten Fischkonsums, von ein bis zwei Mahlzeiten pro Woche, überwiegt die Risiken“, schreiben die Forscher. „Der Verzicht auf Fisch aus Angst vor möglichen Gefahren kann sogar zu Tausenden von zusätzlichen Herz-Todesfällen und schlechterer Gehirnentwicklung bei Kindern führen.“ Das Meiden eines kleinen erzeugt ein größeres Risiko.

Die Botschaft ist also eindeutig. Aber sie gilt mit einer Einschränkung. Frauen, die stillen, schwanger sind oder schwanger werden wollen, sollten auf Fisch mit einem vergleichsweise hohen Quecksilbergehalt verzichten oder ihren Konsum einschränken. Dazu gehören Barsch, Rotbarsch, Thunfisch, Heilbutt, Aal, Hecht und alle Haiarten. Es sind besonders langlebige Raubfische, in denen sich höhere Konzentrationen des Schwermetalls finden.

Etwas zurückhaltender als die beiden Harvard-Fischforscher ist das Medizin-Institut der US-Wissenschaftsakademien. Es hat dieser Tage eine rund 600 Seiten umfassende Studie zum Thema Fischverzehr und Gesundheit vorgelegt. Zwar heben auch diese Wissenschaftler hervor, dass Fisch im Prinzip gesund ist. Daran lassen sie keinen Zweifel. Aber sie glauben, dass der Schutz für das Herz noch nicht eindeutig belegt ist, sondern dass es lediglich Hinweise darauf gibt. Schade, dass sie die neue Studie nicht mehr berücksichtigen konnten.

So, und nun werde ich mal den Lachs zum Angaren in die Pfanne tun. Für den Auflauf.

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