Zeitung Heute : Die bröckelnde Front

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Könnte es sein, dass Europas Pro-Arafat Front endlich aufzubrechen beginnt? Italien, das der arabischen Welt normalerweise treu zur Seite steht, hat Überdruss mit dem palästinensischen Diktator signalisiert und würde ihn gerne gehen sehen. Etwas abgeschwächt verhält es sich auch in Großbritannien, nachdem die Rede des amerikanischen Präsidenten George Bush, in der er die Palästinenser aufforderte, Jassir Arafat abzuwählen, anfänglich eher kühl aufgenommen worden war. Spanien und Deutschland haben ebenfalls begonnen, Druck auf Arafat auszuüben. In Frankreich könnte das länger dauern, aber nach und nach könnten die EU-Staaten erkennen, was für Korruption und Missstände sie in den West Banks und Gaza finanzieren.

Der Fall Italiens ist äußerst bemerkenswert, betrachtet man Italiens Geschichte der Nachgiebigkeit gegenüber nordafrikanischen Ländern. Die Gründe dafür sind teils geographisch – an einem klaren Tag kann man von Sizilien aus den afrikanischen Kontinent sehen – und teils eine Sache der Realpolitik. Genauso wie Spanien sieht Italien Arabien als Hinterhof an und gefällt sich in der Vermittlerrolle zwischen den Nord- und Südküsten des Mittelmeers. Und schließlich haben sich arabische Staaten wie Libyen an italienischen Gesellschaften beteiligt.

Aber Silvio Berlusconi hat, seit er vor einem Jahr auf der Bildfläche erschien, angefangen, die Dinge zu ändern. Er sagte auf dem G7-Treffen bei Calgary, dass es über die Verbindungen der palästinensischen Autoritäten zum Terrorismus „mehr als nur Verdächtigungen“ gäbe und forderte Arafat auf, die politische Bühne zu verlassen. Dadurch könnte er Italien vom jahrzehntelangen fraglosen Andienen an arabische Wünsche befreit haben. Frankreich wird sich da immer schwerer tun, sieht doch Präsident Chirac die Pariser Beziehungen mit den früheren Kolonien in der arabischen Welt als einen der Punkte an, in denen man sich von „les Anglo-saxons“ abheben kann. Aber Chirac ist auch ein Realist, dem klar ist, dass die öffentliche Meinung in Frankreich den islamischen Terror auch nur bis zu einem bestimmten Punkt hinnehmen wird, insbesondere nach so verbrecherischen Anschlägen wie der Bombe, die im Mai elf Franzosen in Karachi tötete. Im Schwung der geschichtlichen Entwicklung geht Arafat unter.

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