• Die Bundesdruckerei in Kreuzberg druckt nicht nur fälschungssichere Wertpapiere, sondern steigt auch ins Immobiliengeschäft ein

Zeitung Heute : Die Bundesdruckerei in Kreuzberg druckt nicht nur fälschungssichere Wertpapiere, sondern steigt auch ins Immobiliengeschäft ein

Harald Olkus

"Die Grafiker und Kupferstecher haben die schönsten Arbeitsräume", sagt Anja Oberhardt im Gespräch mit ihrer Kollegin Gesine Lange. Die Gestalter und Druckvorlagenhersteller der Bundesdruckerei arbeiten in einem dreistöckigen, lichtdurchfluteten Oval aus Stahl und Glas, das über der flachen Halle des Wertdruckgebäudes zu schweben scheint. Vor zwei Jahren eröffnete die Bundesdruckerei ihren Neubaukomplex an der Kommandantenstraße, zu dem neben Produktionsräumen hinter einer großen Glasfassade auch der schmale, mit grünen Kupferplatten verkleidete Quader des oberirdischen Tresorgebäudes gehört.

Jetzt baut die Bundesdruckerei neu, diesmal aber nur zu einem geringen Teil für sich. Das nach außen abgeschlossene Karree aus rund 40 Gebäuden zwischen der Oranienstraße in Kreuzberg und der Kommandantenstraße am Rand von Mitte wird durch ein neues Büro- und Industriegebäude ergänzt. Die Abteilung Forschung und Entwicklung der Bundesdruckerei sowie verschiedene Labore sollen in den Neubau am Bundesdruckereiplatz einziehen, doch sie benötigen nur das Erdgeschoss und die erste Etage. Der größte Teil des siebengeschossigen Gebäudes soll vermietet werden. Mit diesem Schritt will der bundeseigene Betrieb mit der Rechtsform GmbH eine "bewusste Öffnung" vollziehen.

Für ein Drittel der 14 600 Quadratmeter des Neubaus steht bereits die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) als Mieter fest, für weitere Flächen gebe es bereits Nachfragen, sagt die Projektleiterin für den Neubau, Gesine Lange. Die Räume seien für Mieter, die "hochsensible Daten verarbeiten" und die sicherheitstechnische Infrastruktur nutzen können, besonders gut geeignet. Über Mietpreise will sich Gesine Lange nicht äußern, durch die hohen Sicherheitsstandards wird die Miete aber etwas höher als ortsüblich ausfallen.

Das vor 120 Jahren als Reichsdruckerei gegründete Unternehmen beschäftigt sich längst nicht mehr nur mit der Produktion von Banknoten, Briefmarken und Wertpapieren. Der Betrieb hat sich zu einem "Konzern der Hochsicherheitstechnologie" entwickelt. Zwar wurden in der Wertdruckerei im vergangenen Jahr neben verschiedenen anderen Papieren immer noch 692 Millionen Banknoten und 2,7 Milliarden Briefmarken gedruckt, rund 40 Prozent des Jahresumsatzes von 463 Millionen Mark erwirtschaftete das bundeseigene Unternehmen jedoch mit der Herstellung von Reisepässen, Personalausweisen, Führerscheinen und anderen fälschungsgesicherten Karten.

Die Wertdruckerei bleibt für den Besucher weiterhin ein geheimnisumwitterter Ort. Ein Blick in die stützenfreie Halle mit blassgelben Maschinen und einem Gewirr von Absaugrohren an der Decke ist lediglich über eine Computersimulation in Ausstellungsräumen oder durch die Glasfront vom Hof möglich. In der Halle werden derzeit zwei Milliarden Euro-Banknoten und damit die Hälfte der Erstausstattung der neuen Währung gedruckt. Mehr als zwanzig Druckgänge, die Verwendung verschiedener Druckverfahren, das Aufprägen von Hologrammen sowie eine ganze Reihe weiterer Sicherheitsmerkmale erschweren die Herstellung von Falschgeld.

Die Erfahrungen auf dem Gebiet der Fälschungssicherheit sind das Kapital des Konzerns und auch bei der Herstellung von Personaldokumenten und Führerscheinen wichtig. "Unsere Anlage für die Kartenproduktion ist vom Umfang her einzigartig in der Welt", sagt Anja Oberhardt, Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Bundesdruckerei. Mittlerweile wurden 120 Millionen Reisepässe und Personalausweise für die Bundesbürger ausgegeben, jeden Tag können 70 000 Personalausweise hergestellt werden. Um die Kapazitäten auszulasten, versucht die Bundesdruckerei verstärkt, Kunden im Ausland zu akquirieren, sagt Hartmut Hemme, Bereichsleiter für Personalisierung des EU-Führerscheins.

Anfang des Jahres hat die Bundesdruckerei die Produktion von fälschungssicheren Karten aufgebaut, neben Schifffahrtspatenten und Sozialversicherungskarten für Russland gehört dazu auch der neue EU-Führerschein. Den Zuschlag für die Herstellung hat die Bundesdruckerei nach einer europaweiten Ausschreibung erhalten. Nach anfänglichen Verzögerungen aufgrund der großen Nachfrage, dauert die Herstellung eines neuen Führerscheins jetzt noch sieben Tage. Wer seinen alten Führerschein gegen die neue rot-grüne Karte mit einem sogenannten fälschungssicheren "Kinegramm" eintauschen will, muss allerdings rund drei Wochen warten.

Auch die Möglichkeit, digitale Unterschriften zu leisten, baut das Unternehmen weiter aus. Unter dem Namen "D-Trust" arbeitet die Bundesdruckerei derzeit mit der Firma Debis an Sicherheitsstandards für eine digitale Signatur im Internet. Damit soll es möglich werden, rechtsverbindlich Waren und Informationen im Internet auszutauschen, da die Authentizität von Sender und Empfänger sichergestellt werden kann. In nicht allzu ferner Zukunft wird deshalb die "Druckerei" im Namen Bundesdruckerei wohl nur noch historisch zu erklären sein.

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