Die „Burg“ der UdK wird restauriert : Mit der Drahtbürste wachgeküsst

Mitten im Verkehrsgewusel, direkt neben der TU Mensa, macht das Institut für Kirchenmusik seinem Spitznamen alle Ehre: Als feste „Burg“ trotzt es den funktionalen Siebziger-Jahre Bauten genauso wie dem hektischen Großstadtalltag.

Lena Appel

Betritt man das neoromanische Gebäude, so fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt – ein bisschen wie im Dornröschenschlaf. Im Jahr 2006 wurde die Gebäudefassade aufwändig renoviert, und jetzt, sieben Jahre später, ist der Innenbereich dran. Das Ziel ist ehrgeizig: „Meine Aufgabe ist es, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen“, erklärt der Bauleiter Christian Blanco Gómez. Ursprünglich stammt der Architekt aus Kolumbien, seit 24 Jahren lebt er in Deutschland und seit 2005 arbeitet er an der UdK Berlin. Seine Augen strahlen, wenn er von den Restaurierungsarbeiten erzählt.

Wie ehrgeizig das Vorhaben ist, zeigt sich, wenn man die Räume mit alten Fotos vergleicht. Seit dem Bau in den Jahren 1902/1903 hat sich einiges verändert, manches davon nicht unbedingt zum Besseren: Linoleum klebt auf den Treppen, Türen wurden andersfarbig lackiert und Wandmalereien überstrichen. Im Treppenhaus riecht es jetzt nach Lack. Ein Maler steht auf einer Leiter und streicht die Türen in ihrer ursprünglichen Farbe – einem satten Dunkelrot. Blanco Gómez erklärt, dass zuvor ein Restaurator an einer Stelle die Farbe Schicht für Schicht abgenommen hat. Der unterste Farbton wird nun für den Neuanstrich verwendet. „Wie Detektivarbeit“, lächelt Blanco Gómez.

Schwieriger ist es da schon mit dem Linoleum. Die Klebereste auf den Stufen bereiten Probleme, denn sie sind schwer abzubekommen. Der Stein wurde abgeschliffen, mit Drahtbürsten und Stockmeißeln behandelt, und ein spezieller Grafitentferner wird nun so lange aufgetragen und wieder abgekratzt, bis auch der letzte Kleberest verschwunden ist. Am aufwändigsten sind die Feinarbeiten im Treppenhaus. Unter mehreren Farbschichten an den Wänden fand der Restaurator bunte Ornamente: Blumen und Blätter, die sich an der Wand entlang schlängeln und sich einmal über den ganzen Torbogen erstreckten. Diese werden jetzt wieder hergestellt.

Sollten Stellen bei der Freilegung kaputt gehen, so werden sie nachgemalt, „allerdings in einer etwas anderen Farbe, denn man muss erkennen, was alt und was neu ist“, erklärt Blanco Gómez. Mitte Oktober, zum Semesterbeginn, sollen die Restaurierungsarbeiten fertig sein. Dann erwacht auch der Innenraum der Burg aus dem Dornröschenschlaf.


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