Zeitung Heute : Die Business-Mamas

Wer Job und Kinder hat, braucht gute Kontakte

Silke Zorn

„Von mir aus kannst du dich selbstständig machen – Hauptsache, du schaffst deinen Haushalt noch!“ Ute Skrzeczek ist heute noch baff, wenn sie an eine befreundete Gründerin denkt, die von ihrem Mann mit diesen Worten abgefertigt wurde. Als Leiterin des Berliner Weiterbildungsprojekts „Akelei – Berufswegplanung mit Frauen“ weiß sie, dass die Rahmenbedingungen für arbeitende Mütter nicht die besten sind, gerade in der Selbstständigkeit. „Kaum eine Kita hat bis 19 Uhr auf. Wer aber zum Beispiel ein Geschäft hat, muss dann noch hinterm Ladentisch stehen.“ Auch bei der Vergabe von Krediten seien Kinder ein „Risikofaktor“. „Hinzu kommt die Sorge, zu wenig Zeit für die Familie zu haben, die Angst vor Verschuldung, der Druck von außen.“

Alles Themen, die wie geschaffen scheinen, um sie mit Gleichgesinnten zu besprechen. Doch organisierte Netzwerke für berufstätige Mütter sind rar. Gründerinnen, Migrantinnen, Frauen in Führungspositionen – in Berlin gibt es für sie alle Vereine, Stammtische oder Business Clubs. Einen Schwerpunkt zum Thema „Kind und Karriere“ setzen aber die wenigsten. „Unsere Frauen interessiert: Wie gründe ich? Wie bringe ich meine Firma in Schuss?“, sagt zum Beispiel Kristine Grocholl vom Berliner Netzwerk Lady’s Stammtisch. „Klar, viele haben Kinder. Aber das ist für sie kein Aufhänger, um sich zu treffen.“

Eine Anlaufstelle gibt es dennoch: den Verband berufstätiger Mütter (VBM) mit Regionalstellen in vielen Städten. „Hier haben Frauen die Möglichkeit, nach ihren lokalen Schwerpunkten zu wirken“, sagt Claudia Kelz aus der Berliner Dependance. „Manche wollen einen Stammtisch für den Erfahrungsaustausch, andere möchten sich politisch engagieren. Viele suchen auch den Ansporn durch Vorbilder, wollen wissen, wie andere mit Beruf und Familie umgehen.“ Dass es Mütter im Job trotz Ganztagskitas und modernen Vätern immer noch schwer haben, steht für Claudia Kelz außer Frage: „Solange Vorgesetzte meinen, eine Mutter gehöre an den Herd oder falle wegen der vielen Kinderkrankheiten sowieso ständig aus, solange bleiben Fulltime-Job und Familie schwer zu vereinbaren.“

Katharina Pütz hat es geschafft – allerdings nacheinander. Drei Kinder zog die Geschäftsführerin des Bundesverbands der Frau in Business und Management (B.F.B.M.) groß. Erst dann stieg sie in die Firma ihres Mannes ein und machte sich 2005 selbstständig. Der ideale Weg, meint die Unternehmerin. Doch sie weiß auch, dass viele Frauen heute beides gleichzeitig unter einen Hut bekommen müssen. „Es ist zu schaffen“, macht sie Mut. „wenn die Familie mitzieht und man gut vernetzt ist.“ Das seien nicht nur organisierte Netzwerke. „Die Nachbarin, die das Kind von der Schule abholt, wenn ein Termin länger dauert. Die befreundete Unternehmerin, die bei Auftragsengpässen hilft. Die Oma, die am Wochenende aufpasst – all das ist Gold wert.“

Besonders schwer haben es alleinerziehende Berufstätige. Für sie bietet der SHIA e. V. in den Bezirken Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg ein spezielles Betreuungsangebot außerhalb der Kitaöffnungszeiten an. „Wir kommen in die Familien und passen zu Hause im gewohnten Umfeld auf die Kinder auf“, sagt Martina Krause von SHIA. „Und wir bieten einen Begleitservice für Kinder, deren Mutter oder Vater sie zum Beispiel nicht zum Sport, zur Musikschule oder zu anderen Terminen fahren kann.“ In den Räumen des Vereins gibt es außerdem eine Kurzzeitbetreuung.Silke Zorn

Mehr im Internet:

www.akelei-online.de

www.vbm-online.de

www.bfbm.de

www.shia-berlin.de

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