Zeitung Heute : „Die CDU kommt zu schlecht weg“

Der Tagesspiegel

Von Daniel Meuren

Kanzler Gerhard Schröder sagte einst als Kanzlerkandidat, er wolle nicht alles anders machen als sein Vorgänger, aber eben alles ein bisschen besser. Viel mehr kann man wohl von Markus Schächter, dem neuen ZDF-Intendanten, nicht erwarten. Als Programmdirektor war er in den vergangenen vier Jahren schon maßgeblich an der Entwicklung des Zweiten beteiligt. So einer leitet natürlich nicht den großen Richtungswechsel ein.

Schächter wird also, davon ist auszugehen, die alten Reformen vorantreiben, die das ZDF bereits seit einiger Zeit – vielfach auf Anregung des ehemaligen Programmdirektors Schächter – angegangen ist. Er wolle die „demografische Schieflage“ des ZDF beseitigen, so sagte er auf seiner Antrittspressekonferenz am Freitag in Mainz. Die 30- bis 50-Jährigen will er für den Sender gewinnen. Außerdem die Ostdeutschen. Die sollen weniger Filme bei den privaten Konkurrenten und weniger regionale Service-Sendungen von MDR und ORB schauen, stattdessen aber auf der Fernbedienung den richtigen Knopf für den bislang „linksrheinischen Westsender“ drücken. Dies soll nach den Plänen Schächters gelingen, indem künftig verstärkt junge Protagonisten und junge Themen aus den Städten zwischen Rostock und Dresden kommen und mehr Spielfilme und Serien als bisher in den neuen Ländern spielen. Als Vorbild nannte der neue Intendant die seit einem Vierteljahr erfolgreich laufende Serie „Soko Leipzig".

Markige Worte gebrauchte Schächter bezüglich der Zukunft der Sportübertragungen: „Weniger bedeutende WM-Qualifikationsspiele wie Island gegen Deutschland werden wir nicht mehr übertragen, ebenso gewisse Uefa-Cup-Spiele.“ Ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen, betonte Schächter, dass man bei den Sportrechten enorm sparen könne. Bei allem Sparzwang will er indes auf ein Outsourcing, wie es beispielsweise der MDR betreibt, verzichten.

Was Schächter bereits als Programmdirektor in die Wege leitete, will er nun als „Programmintendant“ fortsetzen: Das Programmschema des Senders soll künftig klarer gegliedert sein. „Ziel ist ein konsequenter Angebotsrhythmus nach dem Prinzip ,Ein Sendeplatz – ein Sendetitel’“, sagte Schächter. Vorbild dürfte das Vorgehen des Senders bei der „Johannes B. Kerner-Show“ sein. Die Show strukturiert das späte Abendprogramm des ZDF von Dienstag bis Freitag.

Viel Verhandlungsgeschick im Umgang mit den Politikern wird von Schächter in den kommenden Jahren in jedem Fall verlangt werden – an Stelle des gestern aus dem Fernsehrat ausgeschiedenen Wilfried Scharnagel wird übrigens künftig der ehemalige Chef der hessischen Staatskanzlei, Franz-Josef Jung (CDU), der Hauptverhandlungspartner Schächters sein.

Der 52 Jahre alte Schächter will die zuständigen Gremien in den kommenden Jahren davon überzeugen, dass der Sender mehr Geld benötigt als bisher. Damit will er ein zweites Zweites aus der Taufe heben. Im Zuge der Digitalisierung der Fernsehverbreitung brauche das ZDF ein zweites Standbein, um gegen die konkurrierenden öffentlich-rechtlichen und privaten Senderfamilien bestehen zu können. Während die ARD mit ihren acht Landesrundfunkanstalten gut gerüstet sei für den Kampf gegen bis zu 500 Sender, die nach einem Beschluss der Bundesregierung spätestens von 2010 an dank der digitalen Technik in jedem Haushalt zu empfangen sein werden, fehle dem ZDF bislang die Unterstützung aus einer eigenen Senderfamilie. Der Weitermacher Felix Huby hat eine Comedy geschrieben. Huby, der „Tatort“-Autor und „Geisendörfer-Preisträger“, einer der renommiertesten Drehbuchschreiber des Landes. In einer WG lässt er den Sechsteiler spielen, zwei Bundestagsabgeordnete teilen die sich. Einer ist Westler und von der CDU (Jochen Busse), der andere Ostler und Sozialdemokrat (Uwe Steimle). Die beiden verfeinden sich so sehr, dass sie am Ende in ihrer Wohnung die Mauer wieder aufbauen. Klingt nach einer lustigen Idee. Die Redakteure vom ZDF, das Auftraggeber war, sahen das wohl auch so. Sie segneten erst das Drehbuch ab, später den fertigen Film. Bis die Bänder im Januar bei Markus Schächter landeten. Damals war er Programmdirektor des Mainzer Senders und schon als Intendanten-Kandidat des konservativen Freundeskreises im Gespräch. Schächter fand: „Die CDU kommt zu schlecht weg.“ Seitdem ist die 1,5-Millionen-Euro-Produktion erstmal aus dem Verkehr gezogen. Schächter sagte noch, wohl zur Beruhigung: „Warten wir mal die Intendantenwahl ab.“ Tsp

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