Zeitung Heute : Die Chemie muss stimmen

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Wie homöopathische Medikamente wirken? Niemand weiß es so recht. Man vermutet, dass es während des Verdünnungsprozesses zu strukturellen oder energetischen Veränderungen kommt, die dem Verdünnungsmedium eine Art „Gedächtnis“ verleihen. Demnach würden Homöopathika gar nicht aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften wirken (für Hahnemann eine „durch nichts zu erweisende, crasse Vorstellung mechanischer Köpfe“), sondern aufgrund einer für sie charakteristischen, im Trägerstoff gespeicherten „Information“. Diskutiert wurden Veränderungen von Wasserstoffbrücken oder die Erzeugung gleichförmiger Schwingungsmuster.

Zuletzt machte der Schweizer Chemiker Louis Rey im Fachblatt „Physica A“ (Bd. 323, S. 67) von sich reden. Er untersuchte chemische Bindungen in reinem Eis sowie in Eis, dem er Natriumchlorid (Kochsalz) oder Lithiumchlorid zugefügt hatte. Zum Vergleich nahm er Eis aus Chloridlösungen, die nach den Regeln der Homöopathie so stark verdünnt waren, dass auf einen Kubikzentimeter Wasser rein rechnerisch nur noch ein Milliardstel Trilliardstel Gramm (10 hoch minus 30 g) des jeweiligen Chlorids kam. Eine dermaßen verdünnte Lösung enthält mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein ChloridMolekül mehr.

Trotzdem lieferten beide Experimente dieselben, charakteristischen Unterschiede zwischen reinem Eis und den Eisproben aus den Chloridlösungen - auch wenn diese gar keine Chlorid-Ionen mehr enthielten. Rey ist überzeugt, dass das Wasser in seinen Wasserstoffbindungen die „Erinnerung“ an die Chloride gespeichert hat.

Das letzte Wort ist damit nicht gesprochen. Ihre Wirkung nachzuweisen, fällt der Homöopathie so lange schwer, wie man ihr vorschreibt, diesen Beweis mit denselben Methoden anzutreten wie die Schulmedizin. Deren Prüfinstrument ist der Doppelblind-Versuch, bei dem eine Hälfte der Versuchspersonen denselben Wirkstoff, die andere ein Placebo bekommt. Weil die Homöopathie jeden Patienten als Einzelfall betrachtet und jeder ein auf ihn ganz persönlich zugeschnittenes Medikament erhält, lassen sich hier nicht einmal sinnvolle Studien- und Placebo-Gruppen bilden. So halten sich die Homöopathen weiter an Gründervater Samuel Hahnemann, der darauf drang, „nach dem Erfolge beurtheilt seyn zu wollen“.

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