Zeitung Heute : Die Computer-Simulation ersetzt jedoch nicht das Beratungsgespräch

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Sofa kaufen und sind zu dem Entschluss gekommen, Korpus und Polster unterschiedlich zu beziehen. Passt Karo zu Uni, Braun zu blau oder Muster zu Muster? Einiges sagen einem natürlich der gesunde Menschenverstand und das vorhandene Geschmacksempfinden, das Beratungsgespräch im Geschäft liefert weitere Argumente, aber kann man sich auch anhand eines kleinen Stückes Stoff vielleicht vorstellen, wie das gemusterte Sofa im Ausstellungsraum des Händlers in Beige aussieht?

Wer sich hier unsicher ist, findet bei Rolf Benz einen besonderen Service: "WohnVision". Im Internet gibt es unter http://rolfbenz.de/demo ein Sofa, dessen Korpus und Kissen man mit acht unterschiedlichen Stoffen per Mausklick beziehen kann. Also Korpus blau, Kissen gemustert, Klick, schon ist das mausgraue Sofa in der Mitte bezogen. Erstaunlich, wie Farbe, Helligkeit und Muster in den unterschiedlichsten Kombinationen die Wirkung des Sofas verändern. Das Internet-Angebot ist nur ein Schnupperangebot, denn das ganze Programm hält der Händler bereit. Dann sind im Computer alle lieferbaren Stoffe, alle Modelle und alle Leder enthalten.

Konkrete Angebote

"Nun zeigen wir den Kunden aber nicht 120 Variationen am Computer, das würde nur verwirren", sagt Alexandros Chomatopoulos vom Rolf Benz-Haus im stilwerk. "Wir wählen schon vorher aus, was am Ende vielleicht in Frage kommt. Und am Ende bieten wir dann die Computersimulation an. Sie hilft manchmal kolossal, andere Kunden möchten es lieber nicht." Auch die Wohnlandschaften lassen sich aus den unterschiedlichsten Elementen am Computer zusammenbauen und ausdrucken. So kann der Kunde ein konkretes Angebot mit Preis mit nach Hause nehmen. Die Modelle lassen sich auch in Grundrisse einpassen. Über eines müsse man sich aber im Klaren sein: Die Darstellung am Computer ist eben nur eine Darstellung, sie ist nicht farbecht, vermittelt aber eine ungefähre Vorstellung von dem Modell.

Ganz so begeistert ist Reinhard Kusian von dem Computer im Möbelgeschäft nicht. Als Rolf Benz-Partner führt er auch das "WohnVision"-Programm, setzt es aber nur spärlich ein. "Der Computer kann kein Fachgespräch ersetzen, der Fachhandel legt Wert auf individuelle Gespräche", sagt Kusian, seines Zeichens zweiter Vorsitzender des Fachverbandes Möbel. "Die Kunden entscheiden sich zwar schneller, aber kein Scanner kann die wirkliche Farbe des Stoffes so übernehmen. Zudem können wir im Geschäft verschiedene Lichtquellen wirken lassen. Das kann kein Computer. Und unsere Stoffstücke sind 60 mal 140 Zentimeter groß, da kann man sich schon etwas vorstellen", sagt er.

Der Computer könne allerdings auch verunsichern. Wer mit der Idee eines Musters in den Laden komme und sich das am Computer anschaue, werde eher vom Muster abgeschreckt. Kusian hat die Erfahrung gemacht, dass die Beratung mit Hilfe des Computers in der Regel zu einer einfarbigen Lösung führe. "Wenn jemand das Programm sehen möchte, führe ich es gerne vor", sagt Kusian, "aber ich bin ein begeisterter Verkäufer. Und dann skizziere ich auch schnell mal eine Lösung aufs Blatt. Wer ein Muster will, kann auch bei einer einfarbigen Lösung Akzente mit gemusterten Kissen oder Decken setzen, das kann der Computer auch nicht." Das Programm sei eine Hilfestellung, das Fachgespräch ersetze es nicht.

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