Zeitung Heute : Die Deutschtürkin Arzu Bazman moderiert die "Pro 7 Morning Show"

Johanna Adorjàn

Wenn ein deutscher Fernsehsender für eine neue Show eine junge türkische Moderatorin sucht und zu diesem Zweck ein großes Casting veranstaltet, verspricht das, eine vergnügliche Angelegenheit zu werden. Dachte sich die junge türkische Arzthelferin Arzu Bazman, 21, rief eine Freundin an und überredete sie, mit ihr dort hinzugehen. Sie habe sich das bloß anschauen wollen, versichert sie, habe sehen wollen, wie die jungen Türkinnen sich so anstellten. Keinen Gedanken habe sie daran verschwendet, sich selber zu bewerben. Und dann die übliche Geschichte: Hübsches Mädchen sitzt zufällig im Publikum und wird "entdeckt". So kam Arzu Bazman zum Fernsehen.

Seit drei Monaten nun ist sie Moderatorin beim Fernsehsender Pro 7. Und wenn irgendjemand sie noch nie gesehen hat, mag es an der frühen Stunde liegen, zu der ihre Sendung läuft: montags bis freitags zwischen 6 Uhr 30 und 8 Uhr morgens. Zusammen mit mehreren männlichen Kollegen führt sie durch die "Pro 7 Morning Show", eine muntere Live-Show, die das Publikum beschwingt in den Tag bringen soll. Da gibt es Gewinn-Spielchen mit Anrufern, alberne Sketche mit dem Komiker Wigald Boning, die Moderatoren veranstalten Wettrennen auf Bürostühlen. Und es gibt Arzu Bazman. Die immer lacht. Gute Laune verbreitet. Und weil sie das so charmant macht, ist ihre Rolle mit der Zeit immer größer geworden. Anstatt nur stumm lächelnd ihren Kollegen zur Seite zu stehen, moderiert sie mittlerweile selbst Beiträge an, telefoniert mit Zuschauern und spielt in Sketchen eigene Charaktere. Und weil sie nebenher auch noch neben Benno Fürmann und Christiane Paul für ihre erste kleine Filmrolle vor der Kamera steht, könnte es sich hier um den Beginn einer vielversprechenden Karriere handeln. Meint ihre Agentin, die mit zum Interviewtermin gekommen ist und stolz dabeisitzt, als ihr Schützling von Erfolgen erzählt.

Als Tochter türkischer Eltern ist Arzu in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Fernsehzuschauer begrüßt sie zweisprachig mit "Günaydin und Guten Morgen!". Dass sie eine der ersten Deutschtürkinnen im deutschen Fernsehen ist, macht sie stolz. Warum Pro 7 für die Morning Show unbedingt eine Türkin haben wollte, hat sie sich nie gefragt. "Das ist doch klar. Wir senden aus Berlin, Berlin ist Klein-Istanbul. Die wollten halt etwas für unsere türkischen Mitbürger tun."

"Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig!", ist der Satz, den Arzu Bazman am häufigsten sagt. Fünfmal fällt er innerhalb einer Stunde: "Wenn ich was anfange, ziehe ich es durch." In einem Alter, in dem die meisten noch nicht wissen, was sie einmal werden wollen, hat Arzu bereits ziemlich viel "durchgezogen".

Als Sechsjährige begann sie mit rhythmischer Sportgymnastik, wurde mehrmals Berliner Meisterin und brachte es sogar zur deutschen Vizemeisterin. Nach der zehnten Klasse ging sie von der Schule ab und machte eine Ausbildung zur Arzthelferin. Drei Jahre arbeitete sie in einer orthopädischen Praxis, hat ein Diplom als Röntgenassistentin. Ihren Traum, später einmal Chirurgin zu werden, hat sie noch nicht ganz aufgegeben. Aber jetzt hat sie etwas Neues angefangen. Und: "Wenn ich was anfange, mache ich es auch zu Ende."

Konkret sieht der neue Traum so aus: "Ich möchte eine der besten Moderatorinnen und Schauspielerinnen werden." Dafür hat Arzu Sprechunterricht genommen; dafür spart sie ihr Geld für Schauspielstunden; dafür steht sie jeden Morgen, oder besser gesagt, jede Nacht um 3 Uhr auf und fährt in die Arbeit. Und weil sie deshalb auch jeden Abend um 21 Uhr wieder schlafen geht, verzichtet Arzu für ihren Traum auf ein Privatleben. Ohne Bedauern, ja, ohne mit der Wimper zu zucken.

Arzu Bazmans Sätze klingen, als hätte sie sich ein Mensch ausgedacht, der junge Leute auf Bewerbungsgespräche vorbereitet. Von Disziplin ist oft die Rede, davon, dass Arbeit das Wichtigste im Leben sei. Und von einer felsenfesten Überzeugung, die Beste zu sein: "Wenn man nicht selbst glaubt, dass man die Beste ist und alles schafft, dann kann man auch gleich zu Hause bleiben." Vielleicht stammt diese Haltung noch aus der Zeit, in der sie den Sport wie eine Wahnsinnige betrieb. Vierzig Stunden trainierte sie jede Woche, mit Ball, mit Keule, am Band.

"Meine Schwester ist ganz anders. Die wohnt mit neunzehn immer noch zu Hause und ist total abhängig von unseren Eltern." Sie dagegen habe immer gewusst, was sie will, habe das durchgesetzt und ist stolz darauf, mit achtzehn Jahren schon in einer eigenen Wohnung gewohnt zu haben. "Ich stehe gerne auf beiden Beinen", fasst Arzu das zusammen. Im Fernsehen sieht Arzu zierlich und klein aus - in Wahrheit wirkt sie noch schmaler, fast wie ein Strich, der nur durch die klobigen Plateauschuhe am Wegfliegen gehindert wird. Ihre hüftlangen Haare hat sie zu zwei Pferdeschwänzen zusammengebunden, und rechts und links schauen zwei Arme hervor, die bald abzubrechen scheinen, so dünn sind sie. Dass manche meinen könnten, sie habe den Moderatorinnen-Job nur ihres hübschen Äußeren wegen bekommen, das stört sie sehr.

Als der Fotograf sie bittet, sich für die Fotos auf das Sofa zu setzen, das in der Studiokulisse der Morning Show steht, tut sie das, schlingt die Arme keck um die Rückenlehne, legt den Kopf schräg und lächelt mit Augenaufschlag von unten hinauf ins Objektiv. "Ich liebe die Kamera," wird sie etwas später erzählen, und dass sie gerne in verschiedene Rollen schlüpft: "Ich kann frech sein und klein wie ein zehnjähriges Mädchen, aber auch damenhaft." Gibt es irgendetwas, das sie sich nicht zutraut? Sie versteht die Frage nicht. Irgendetwas, das sie unsicher macht? "Unsicher?", wiederholt sie und hat zum ersten Mal nicht gleich eine Antwort parat.Dann schüttelt sie so bestimmt den Kopf, dass die Zöpfe fliegen. "Mich macht nichts unsicher!," sagt sie. Und lacht. Und strahlt. Und verbreitet gute Laune.

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