• Die digitale Revolution zwingt die Verlage zur Defensive - trotz interaktiver Verlockungen sollen auch junge Leser weiter zur Papier-Zeitung greifen

Zeitung Heute : Die digitale Revolution zwingt die Verlage zur Defensive - trotz interaktiver Verlockungen sollen auch junge Leser weiter zur Papier-Zeitung greifen

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Die Printmedien müssen sich im Multimedia-Zeitalter nach Ansicht von Experten verstärkt um junge Leser bemühen. Zum Abschluss der Münchner Medientage wurde am Mittwoch auf dem "Forum Zeitung" angesichts der Internet-Konkurrenz auch auf künftige Probleme für den Anzeigenmarkt hingewiesen. Wegen Veränderungen innerhalb des Printmarktes müssten auch bestimmte Zeitungstypen wie Wochenblätter oder Boulevardzeitungen mit schwierigen Zeiten rechnen.

Der Geschäftsführer des Holtzbrinck-Konzerns, Michael Grabner, forderte die Zeitungsverleger auf, aus der Defensive herauszugehen. Die neue Medienrevolution dürfe nicht "verdammt" werden, müsse mitgestaltet werden. Helmut Thoma, früherer Chef des Privatsenders RTL und derzeitiger Medienberater der nordrhein-westfälischen Landesregierung, vertrat die Auffassung, dass die Internet-Revolution erst am Anfang stehe. Die Konsequenzen für den Anzeigenmarkt bei Zeitungen seien gravierend und noch nicht abzusehen.

Willi Schalk, Chef der Werbeagentur McCann-Erickson (Frankfurt/Main), sieht durch die Online-Konkurrenz die größte Gefährdung für Zeitungen beim Rubrikenmarkt, der etwa 40 Prozent der Anzeigen ausmacht. Die Zeitung werde vom "Massenmedium zum Zielgruppenmedium" werden, sagte Schalk voraus. Herbert Riehl-Heyse, leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", rechnet mit Problemen bei Boulevardblättern und Wochenzeitungen, da inzwischen insbesondere die überregionalen Tageszeitungen mehr Hintergrundinformation und auch boulevardeske Elemente lieferten. Dieter Gorny, Chef des Kölner TV-Musiksenders Viva, meinte, Jugendliche sollten durch Medienerziehung wieder zum Lesen gebracht werden.

Einen Tag zuvor hatte der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Richard Rebmann, in Berlin zum Abschluss des diesjährigen Zeitungskongresses erklärt, die deutschen Zeitungsverlage wollten so schnell wie möglich ein Gemeinschaftsunternehmen im Bereich der Online-Rubrikanzeigen gründen. "Die Zeit drängt", erläuterte Rebmann. Das Unternehmen solle in den nächsten "Wochen und Monaten" aus der Taufe gehoben werden. Das Geschäft mit Immobilien-, Auto-, und Stellenanzeigen sei durch die Angebote von verlagsfernen Unternehmen im Internet stark gefährdet. "Momentan geht es nicht so sehr um Umsätze, sondern darum, Positionen zu besetzen", sagte Rebmann. Parallel zu dem geplanten national ausgerichteten Unternehmen müssten die Zeitungsverlage auf lokaler Ebene ihre Online-Engagements bei Rubrikanzeigen offensiv vorantreiben. Alle Verlage sollen an dem Unternehmen "chancengleich" beteiligt werden.

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