Zeitung Heute : Die duftende Reseda

Und ihre Doppelgängerin: Reseda luteola

Ursula Friedrich

Vor ein paar Jahren, als die Kolumne anfing, habe ich ganz freiwillig eingestanden, dass ich keine Botanikerin bin, keine wie auch immer geartete Fachfrau, bloß eine unwissende Person, die einen Garten hat und ihn ohne tiefere Sachkenntnis kunterbunt bepflanzt. Daran hat sich nichts geändert, das finde ich auch okay, weil man nicht immer alles wissen muss. Die Entspannung des Hobbygärtners besteht vor allem darin, dass man etwas so allgemein Verfügbares wie Erde und Wasser hat, und dazu im Gartencenter fix und fertig gewachsene Pflanzen kauft. Unsereins muss nichts bestäuben, nichts kreuzen, keine schwarzen Rosen erfinden, und deshalb passiert so was: dass eine Kolumnistin den Färber-Wau (Reseda luteola) und die Gartenreseda (Reseda odorata) miteinander verwechselt. Verzeihung!

Ich habe viele Briefe zu diesem Thema bekommen. Jemand hat mir geschrieben, dass schon Goethe in seinem Garten die Odorata hatte, andere haben aus uralten Lexika zitiert. Es gibt offenbar eine Fülle von Nachschlageliteratur, die mir nicht zur Verfügung stand. Meine Quellen waren vor allem ein großes Blumen-Lexikon und der „Gräfe-und-Unzer-Naturführer“.

Eine Künstlerin teilt mir mit, dass sie mit Resedafarben Textilien färbt und daraus Teppiche herstellt. Ein Leser schreibt: „Auf einer Verkehrsinsel am Lüftungsschacht der U-Bahn Osloer Straße, dort, wo die Tromsöer Straße auf die Schwedenstraße trifft, scheint ein versprengtes Rudel der Pflanzen zu stehen.“

Interessante Namenserklärung einer Leserin aus der Dahlmannstraße: Reseda wurde früher auch als Heilpflanze gegen Entzündungen genutzt. Die selbe nette Leserin hat mir ein Tütchen echten „Gartenreseda-Samen duftend, gefüllt blühend, herrlicher Duft“ von der Charlottenburger Samenhandlung Pohle beigelegt. Anne Momper, die Frau des früheren Berliner Bürgermeisters, ist im Osten fündig geworden. Schmidt Samenzucht in Quedlinburg (Tel. 03946/3663) hat auch Reseda-Samen. Danke für den Tipp! Ich gebe ihn hiermit weiter, weil die meisten Briefe mich um eine Nachricht baten, falls ich eine Information erhalten würde.

Ich hoffe, dies ist die Wiederauferstehung der duftenden Reseda!

Nächste Woche: Akelei

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