Zeitung Heute : Die E-Müll-Abfuhr

Kurt Sagatz

Die Internetwirtschaft will im Kampf gegen unerwünschte Werbemails aufrüsten. Was muss passieren, um sich wirkungsvoll gegen Spam wehren zu können?

„Wir müssen etwas tun, sonst stirbt der E-Mail-Dienst“, sagt Sven Karge, der oberste Schützer vor Spam im Verband der deutschen Internetwirtschaft. Auf einem Kongress in Köln wurde nun nach einer Lösung des Problems gesucht. Wie nötig das ist, belegen die Zahlen: Bei drei von vier E-Mails, die weltweit über das Datennetz verschickt werden, handelt es sich nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen um unverlangt eingehende Werbemails. Nach Zahlen der EU-Kommission betrug bereits vor zwei Jahren der Produktivitätsausfall der EU-Wirtschaft durch Spam satte 2,5 Milliarden Euro.

Die deutschen Internetfirmen wollen in ihrem Kampf gegen die Spam-Attacken nun neue Wege gehen, nachdem die bisherigen Anstrengungen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Vom ständigen Wettrüsten zwischen immer besseren Filtersystemen der Internet- Provider wie AOL, T-Online, GMX oder Lycos und den immer raffinierteren Tricks der Spam-Versender haben bislang nur die Hersteller der Spam-Filter profitiert. Deshalb favorisieren der Verband der Internetfirmen Eco und der Deutsche Direktmarketing-Verband nun eine Lösung, die auf einer Positivliste beruht. Auf diese Liste sollen nur Versender gelangen, die die Selbstkontrollrichtlinien der Branche sowie die vorhandenen Gesetze befolgen. Das Problem daran: Mit dieser Aktion erreicht man vor allem die ohnehin Guten, die bereits jetzt eingesehen haben, dass Werbung im Internet auf Dauer nur funktioniert, wenn sie vom Empfänger akzeptiert wird.

Langfristig aussichtsreicher wäre darum auch eine Lösung, die für alle E-Mail-Versender ohne Wenn und Aber bindend wäre. Die Idee dahinter ist einfach: Nur Mails von Absendern, deren Identität zuvor zweifelsfrei festgestellt wurde, gelangen auf den Computer. Doch leider hat dieser Vorschlag einen Haken. Das Verfahren funktioniert nur, wenn alle Internet- und E-Mail-Anbieter mitziehen. Da aber der Vorschlag von Microsoft kommt, haben daran viele Firmen kein Interesse.

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