Zeitung Heute : Die einen entspannen, die anderen ackern

Jugendliche in Europa reisen immer mehr wie Erwachsene. Die Verteilung der Reisearten sei sehr ähnlich, sagte Joachim Scholz von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in einer Diskussionsrunde auf der Reisemesse ITB Mitte März in Berlin. So machten rund 30 Prozent der europäischen Jugendlichen in Deutschland Rundreisen, 24 Prozent Städte- oder Eventreisen. Sie setzten dabei allerdings andere Schwerpunkte als ihre Eltern, wollten zum Beispiel bei einer Städtereise mehr shoppen und etwas erleben, statt Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Auch die Ansprüche an eine Reise gleichen sich an: Jugendliche wollen heute „ausschlafen und vielleicht ein bisschen Sport treiben“, hat Thomas Korbus von Ruf Jugendreisen beobachtet. Der Grund dafür sei, dass auch der Alltag junger Menschen immer stressiger werde. Für ältere Jugendliche werden laut Korbus verstärkt zwei- bis dreiwöchige Fernreisen angeboten, bei denen sie zum Beispiel auf einem Uni-Campus übernachten und ausländische Studenten treffen können. Die Touren sollten ein Ersatz für das beliebte Auslandsjahr sein, das in Zeiten des achtjährigen Gymnasiums immer schwerer einzuschieben sei.

Grundsätzlich gehe der Trend bei Jugendreisen weg vom Land hin zur Stadt, sagt Edgar Lemp von der Deutschen Bahn. „Bei mehrtägigen Reisen verliert das flache Land.“ Die einzige Ausnahme seien Ziele an Nord- und Ostsee.

Und auch dieser Trend ist zu beobachten: Immer mehr Jugendliche und Studenten unternehmen Reisen, die sich gut im Lebenslauf machen. Dazu gehören zum Beispiel Sprachreisen, Freiwilligenprojekte oder Auslandssemester, erklärte die Organisation WYSE Travel Confederation, hinter der zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Organisationen stehen, anlässlich der ITB. „Der reine Amüsier- und Strandurlaub geht zurück, bildungsorientierte Angebote sind im Aufwind“, sagt auch Jens Kosmale vom Bundesforum Kinder- und Jugendreisen. Und: Jugendlichen sei das Zusammensein mit Gleichaltrigen oft wichtiger als die Zimmerqualität – frei nach dem Motto: Im Hotel wird ohnehin nur geschlafen, der Rest spielt sich draußen ab. „Selbst das schon abgeschriebene Zelt wird wieder beliebter“, sagt Kosmale und glaubt, den Grund dafür zu kennen. „Wenn man schon zehn Mal mit der Familie im Mittelklassehotel war, will man mit den Freunden etwas anderes erleben.“ dpa

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