Zeitung Heute : Die elektrifizierte Kultur

STEPHAN POROMBKA

Heute wissen es auch die letzten Internet-Freaks: Das World Wide Web ist längst ein Schnäppchenmarkt, auf dem es gilt, Gebiete abzustecken und Vorteile zu sichern.Deshalb lautet die Formel am Ende aller Träume von einer global verknüpften, virtuellen Gemeinschaft: Obwohl das Netz ein Netz ist, macht doch letztlich jeder seins.Jeder? Nein, nicht jeder! Noch gibt es Aktivisten, die in der Lage sind, über ihre eigene Homepage hinauszudenken.Und es gibt sie auch in Berlin.Zum Beispiel bei kunst und technik, einer Szenelocation, die sich direkt hinter dem Bode-Museum an der Spree versteckt.Hier hat man zuletzt den Techno- und den Japankult mit einer Ausstellung über Videospiele gefeiert.Und seit Mittwoch zeigt man Entwürfe für eine blitzschnelle Lichtarchitektur.Eines der weitsichtigsten Projekte für eine elektrifizierte Kultur wird ab Freitag aber nicht in den eigenen Räumen, sondern im Internet präsentiert: die CultureBase Berlin.

Die Idee, die diesem Projekt zugrundeliegt, ist ebenso schlicht wie schlagend.Bislang gibt es im Netz Kulturdatenbanken, in denen Adressen und Termine gesammelt und, wenn man Glück hat, auch aktualisiert werden.Aber meist hat man Pech! Denn viele Veranstalter schicken ihre Informationen zur Aufbereitung und Verbreitung an eine zentrale Instanz.Weil sich aber dort die Daten stauen, kann man nur langsam auf Änderungen reagieren.Deshalb sieht der Nutzer die korrigierten Termine erst dann im Netz, wenn alles schon zu spät ist.

Mit CultureBase geht nun ein Projekt online, das allen Veranstaltern ermöglicht, die eigenen Daten selbst zu verwalten.Und zwar kostenlos.Die Liste aller Veranstaltungen und Aktivitäten in und rund um Berlin liegt zwar zentral auf einem Server.Aber jeder kann zu jeder Zeit seinen Datensatz dezentral ergänzen oder korrigieren.Und für die Nutzer zu Hause kommt es noch besser.Denn wer eine Homepage hat, der kann die Datensätze von CultureBase bei sich plazieren.Wenn sie erstmal eingespeist sind, dann lassen sich die Kinoprogramme für Wilmersdorf, die Theatervorstellungen der Off-Szene oder die Termine für Lesungen in den Berliner Literaturhäusern ohne großen Programmierstreß auf den eigenen Seiten integrieren.So kann sich jeder User einen Berliner Veranstaltungskalender anlegen, den er selbst nicht aktualisieren muß, weil er von außerhalb ständig aktualisiert wird.

"Diese Datenstruktur schöpft die Möglichkeiten des Internet voll aus", sagt Jan Edler, einer der Organisatoren von CultureBase bei kunst und technik.Und er hofft: "Wenn nur genug Veranstalter mitmachen und ihre Infos einspeisen, dann kann diese Datenbank der Berliner Kultur einen ganz neuen Zusammenhalt geben." Tatsächlich hält ein ähnliches CultureBase-Projekt die kulturellen Aktivitäten in Aachen und Umgebung seit zwei Jahren mit großem Erfolg im Internet zusammen.Nun muß sich zeigen, ob das auch in Berlin funktionieren kann, oder ob hier jeder weiter seins machen möchte.

www.berlin.heimat.de/cb

E-Mail: kunst+technik@berlin.heimat.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben