Zeitung Heute : Die ersten Schritte nach der Kündigung

Zehn Tipps einer Arbeitsrechtlerin

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Von Jutta Glock

Es gibt heute fast kein Unternehmen mehr, das ohne Personalabbau und damit ohne Kündigungen auskommt. Wenn Sie eine Kündigung erhalten, sollten Sie folgende Regeln dringend beachten:

1. Empfang der Kündigung bestätigen. Wenn der Personalchef oder der Vorgesetzte Sie zum persönlichen Gespräch bittet und Ihnen eine Kündigung übergibt, sollten Sie mit Ihrer Unterschrift nur den Empfang bestätigen. Erklären Sie niemals Ihr Einverständnis zur Kündigung, und ziehen Sie ein Mitglied des Betriebsrates oder der Personalvertretung zum Gespräch hinzu.

2. Aufhebungsvertrag. Bietet man Ihnen den Abschluss eines Aufhebungsvertrages an, dann unterschreiben Sie nie im ersten Gespräch, denn Sie verzichten durch den Aufhebungsvertrag, der das Ende des Beschäftigungsverhältnisses einvernehmlich regelt, auf den gesetzlichen Kündigungsschutz. Auch wenn eine Abfindung lockt, treffen Sie diese Entscheidung keinesfalls spontan.

3. Dreiwöchige Klagefrist. Beachten Sie immer die Drei-Wochen-Frist ab Zugang einer Kündigung. Denn wenn Sie eine Kündigung anfechten wollen, müssen Sie dies durch Klage beim zuständigen Arbeitsgericht innerhalb dieser Frist tun.

4. Rechtsrat einholen. Holen Sie schnell und kurzfristig Rechtsrat ein. Lassen Sie prüfen, ob der Aufhebungsvertrag eine wirklich angemessene Abfindung oder eventuell andere für Sie günstige Regelungen enthält.

5. Kündigungschutzgesetz. Prüfen Sie den gesetzlichen Kündigungsschutz, bevor Sie einen Aufhebungsvertrag abschließen. Es stellt sich die Frage, ob das Kündigungsschutzgesetz überhaupt anwendbar ist. Dies ist nur der Fall, wenn Sie länger als sechs Monate im Betrieb sind und im Betrieb mehr als fünf Arbeitnehmer beschäftigt werden.

6. Kündigungsgrund. Prüfen Sie, ob es überhaupt einen Kündigungsgrund gibt. Hier stellt sich die Frage nach einem betriebsbedingten, einem verhaltensbedingten / leistungsbedingten oder personenbedingten Kündigungsgrund.

7. Kündigungsfrist. Prüfen Sie, ob Ihre persönliche Kündigungsfrist bei einer ordentlichen Kündigung eingehalten wurde. Bei Nichteinhaltung kann eine Sperre beim späteren Bezug von Arbeitslosengeld drohen.

8. Fristlose Kündigung. Bei einer fristlosen Kündigung liegt der Fall anders. Diese gilt sofort, das heißt, hier bekommen Sie ab sofort kein Gehalt mehr und üblicherweise auch eine Sperre beim Arbeitslosengeld.

9. Kosten. Sind Sie im Hinblick auf die im Kündigungsschutzprozess entstehenden Kosten abgesichert? Eine erste Einschätzung zur Rechtswirksamkeit einer Kündigung lässt sich im Rahmen einer arbeitsrechtlichen, anwaltlichen Erstberatung klären. Maximale Kosten hierfür: circa 210 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Falls Sie eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, sind die Gebühren normalerweise voll gedeckt. Bei niedrigem Einkommen gibt es eventuell staatliche Hilfe durch die Prozesskostenhilfe. Sie können allerdings auch selbst beim Arbeitsgericht eine Kündigungsschutzklage einreichen, es besteht kein Anwaltszwang.

10. Insolvenz. Bei einer Insolvenz gelten Besonderheiten. Ist der Arbeitgeber „pleite“, gibt es möglicherweise rückwirkend die letzten drei Monatsgehälter beim Arbeitsamt.

Die Autorin ist promovierte Fachanwältin für Arbeitsrecht in Berlin und hält Vorlesungen über Personalmanagement und Arbeitsrecht an verschiedenen Universitäten. Im Internet: www.arbeitsrechtberlin.de

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