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Deutsche Unternehmen wollen die Chancen nicht verpassen, die der größte Markt der Welt bietet

Bernd Hops

Davon träumen deutsche Unternehmer. Würde jeder Chinese ihr Produkt nur ein einziges Mal kaufen, sie wären schon gemachte Leute. Was Firmen immer noch am meisten an China fasziniert ist die Größe des Landes. Etwa 1,3 Milliarden Einwohner, ein Fünftel der Weltbevölkerung, leben dort und bilden den größten zusammenhängenden Markt, den es weltweit gibt. Dagegen verblassen Deutschland, die Europäische Union und die USA, die sogar zusammengenommen nicht an Chinas Größe heranreichen.

Noch ist China allerdings vergleichsweise arm. Nicht einmal 1000 Dollar beträgt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Obwohl Japan lediglich ein Zehntel der Einwohner Chinas hat, ist die dortige Wirtschaftskraft mehr als drei Mal so groß. Bloß in den vergangenen Jahren hat das Reich der Mitte im Zeitraffer aufgeholt. Acht bis zehn Prozent Wachstum sind Normalität.

Dementsprechend wächst auch der Wohlstand. China kaufte 2002 in Deutschland Waren im Wert von 14,5 Milliarden Euro, 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch in diesem Jahr geht es nach Schätzungen des Auswärtigen Amts ähnlich weiter. Gleichzeitig haben auch immer mehr Deutsche Waren aus China auf dem Tisch. Selbst Biogemüse wird dort mittlerweile für den hiesigen Markt produziert, von Textilien und Spielwaren ganz abgesehen. Der Wert des Imports 2002: mehr als 21 Milliarden Euro. Tendenz: weiter steigend. Davon profitieren vor allem die Seehäfen. Seit 1986 unterhält Hamburg eine Städtepartnerschaft mit Schanghai, der größten Wirtschaftsmetropole Chinas nach Hongkong. Im ersten Halbjahr 2003 stieg der Warenumschlag im Hamburger Hafen um fast sechs Prozent, vor allem Dank China.

VW ist Volkes Liebling

Deutsche Markenzeichen wiederum gehören zum Alltag in Schanghai. Mehr als jedes zweite Fahrzeug auf den Straßen trägt das Volkswagen-Emblem. Produziert wird in direkter Nachbarschaft Schanghais in einem Jointventure mit einem chinesischen Partner. Auch der bayerische Konkurrent BMW hat jetzt den Sprung nach China gewagt. Und Siemens konzentriert seine Handy-Produktion auf zwei Standorte: Deutschland – und Schanghai. Zusammengerechnet haben deutsche Unternehmen mittlerweile mehr als acht Milliarden Euro in China investiert.

Aber nicht nur Großkonzerne wagen sich auf den Markt der Milliarden. Ebenfalls aktiv sind hunderte Mittelständler. Die Fischer Unternehmensgruppe etwa hat 1998 eine eigene Landestochter gegründet und verkauft mittlerweile in China nicht nur Fischerdübel, sie produziert sie auch dort. Mit der Qualität gebe es da überhaupt keine Probleme, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Für die Zukunft sei China ein „sehr bedeutender“ Markt. „Wir sind gerade erst am Anfang. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“

Dabei haben sich die Rahmenbedingungen in wenigen Jahren radikal verbessert. Besonders der Beitritt zur Welthandelsorganisation im Dezember 2001 hat den Druck auch auf die Regionalfürsten in China erhöht, sich stärker ans Recht zu halten. Auch wenn noch bei weitem nicht alles glatt läuft, ist die Hoffnung groß. Siemens-Chef Heinrich von Pierer sagte erst vor kurzem wieder: Das Risiko, in China nicht dabei zu sein und Chancen zu verpassen, sei größer, als das Risiko zu scheitern.

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