Die Fakten : Schwindendes Vertrauen

Irgendwas stimmt nicht. Deutschland geht es vergleichsweise gut, trotz weltweiter Wirtschafts- und Finanzkrise sinkt – beispielsweise – die Zahl der Arbeitslosen und steigt das Wirtschaftswachstum. Aber das Gefühl von Ungerechtigkeit und Unsicherheit auch.

So fürchten immer mehr Menschen, das zeigen Umfragen, zu kurz zu kommen und von dem wachsenden Wohlstand nicht profitieren zu können. Aus dem „Sozialreport 2010“ der Volkssolidarität geht beispielsweise hervor, dass fast jeden vierten Deutschen Zukunftsängste plagen.

Gut die Hälfte der Befragten hat Angst um den Arbeitsplatz und die soziale Sicherheit. Gleichzeitig gibt es Umfragen, die belegen, dass eine Mehrheit der Menschen die persönliche ökonomische Entwicklung positiv bewerten. Doch selbst diese Umfragen halten ein „aber“ parat. Denn egal ob die Menschen eher Angst vor der (wirtschaftlichen) Zukunft haben oder sie positiv bewerten: Das Vertrauen in die Politik und die Wirtschaft schwindet. Weniger als 20 Prozent der Bundesbürger bringen der im August veröffentlichten Umfrage der Volkssolidarität zufolge dem Bundestag und der Regierung noch Vertrauen entgegen. Dieser Vertrauensverlust ist nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wiederum weniger eine direkte Folge der Finanzkrise, sondern er resultiert aus den jahrzehntelangen Veränderungen, die die Globalisierung mit sich bringt. Dieser Vertrauensverlust manifestiert sich auch in einer aktuellen Repräsentativumfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken. Demnach sind nur noch 52 Prozent der Befragten mit der Demokratie zufrieden. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2009 waren es noch 62 Prozent. Nicht viel besser ist es um die Bewertung der Sozialen Marktwirtschaft bestellt. Gerade einmal 48 Prozent sagen, dass sich die Soziale Marktwirtschaft bewährt habe. 41 Prozent sehen das nicht so. Mitte der 90er Jahre waren noch 73 Prozent der Meinung, die deutsche Wirtschaftsordnung habe sich bewährt. Fragt man nach Alternativen und Auswegen aus der Vertrauenskrise, taucht immer wieder eine Forderung auf – so auch in der Bertelsmann-Stiftung: Intensivierung von Partizipationsprozessen in der Politik.ctr/jul

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