Zeitung Heute : Die falschen Absichten rechtzeitig erkennen

Tipps für Jobsuchende, die nicht auf Abzocker und miese Geschäftemacher hereinfallen wollen

Monica Heimel

Angesichts von mehr als 4,5 Millionen Arbeitslosen sind immer mehr Bewerber bereit, jede Jobchance zu ergreifen. Das ruft auch miese Geschäftemacher auf den Plan, die in Kleinanzeigen vollmundig „Top-Einkommen“ versprechen. Wie kann der Arbeitssuchende unseriöse Inserenten erkennen, die nur abzocken wollen? Folgende Auffälligkeiten sollten ein Warnsignal sein.

0190er-Nummern: Eine beliebte Masche ist die teure Servicenummer in der Stellenanzeige. Der Arbeitsuchende hört ihn in der Regel eine endlose Bandansage. Auf eine Weitervermittlung aber wartet er vergeblich. Mitunter sind die 0190er-Nummer geschickt getarnt, etwa indem eine Call-by-Call-Nummer davor vorgesetzt wird. Bei anderen Anzeigen steht eine gebührenfreie Telefonnummer. Um aber weitere Informationen zum Jobangebot zu erhalten, wird der Interessent dann an eine andere „Abteilung" verwiesen, die wiederum nur über eine teure Telefonverbindung erreichen ist.

Vorkasse für Infos: Der Jobsuchende soll für genaue Stellen-Informationen eine Schutzgebühr zahlen, manchmal bis zu 50 Euro. Dafür gibt es dann in der Regel einen Stapel wertloses Papier. Zum Beispiel erhielt ein Arbeitsuchender, der gegen Gebühr Unterlagen für eine Stelle auf einer Bohrinsel angefordert hatte, eine unbrauchbare Liste der größten Erdölfirmen.

Basteln zuhause: Bei freier Zeiteinteilung von zu Hause aus arbeiten – das entspricht dem Wunsch vieler Arbeitsuchender. Aber Achtung: Ist dann noch von hohen Verdienstmöglichkeiten die Rede, so steckt hinter diesem Inserat fast immer ein Nepp. Besteht der Job zum Beispiel darin, Kugelschreiber zu montieren oder Grußkarten zu basteln, so muss zunächst gegen eine happige Gebühr eine Arbeitsanleitung erworben werden. Hinzu kommen noch die Materialkosten, wodurch der Heimarbeiter schnell einige Hundert Euro los wird. Sind die 1000 Kugelschreiber dann endlich zusammengebaut, wartet oft noch die nächste böse Überraschung: Der Auftraggeber macht Mängel geltend und verweigert die Abnahme.

Karriere als Fotomodell: „Suche Fotomodell für alle Kleidergrößen – hohe Verdienstmöglichkeit“. Das versetzt vor allem junge Frauen in Verzückung. Bevor das angehende Fotomodell allerdings in die Vermittlungskartei aufgenommen wird, soll es eine Menge Geld beim Anbieter lassen. Zunächst einmal muss ein Kurzlehrgang absolviert werden, denn das Posieren vor der Kamera will ja gelernt sein. Eine professionelle Fotomappe („Setcard“) für die Kartei kostet dann noch mal extra. Da die Anbieter meist keine Kontakte zur Fotobranche haben, sind die Chancen, tatsächlich einen Auftrag als Fotomodell zu bekommen, ziemlich gering.

Vorsicht bei Postfachadressen: Skepsis ist stets angebracht, wenn der Name der Firma in der Anzeige nicht genannt ist und die Anbieter nur über Chiffre oder Postfach zu erreichen sind. Niemals sollte der Interessent Waren oder Unterlagen gegen Vorkasse bestellen. Seriöse Anbieter akzeptieren eine Zahlung auf Rechnung.

„Sind Verbraucher bereits reingefallen, sollten sie unbedingt eine Verbraucherzentrale informieren. Das hilft zumindest, dass nicht noch mehr Leute geschädigt werden“, so Carel Mohn, Sprecher vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (www.vzbv.de). Die Verbrauchschützer könnten zum Beispiel mit Abmahnungen unseriösen Geschäftemachern das Handwerk legen. In manchen Fällen der Geldschneiderei komme auch eine Strafanzeige wegen Betruges in Betracht. Ftx

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