Zeitung Heute : Die Frau hinter der Trend-Zeitschrift - Tina Brown scheint alles zu gelingen

Nina Fischer

Tina Brown ist ein recht normaler Name, normal ist im Leben der Tina Brown allerdings nicht vieles. Der letzte Coup der 45-jährigen Britin ist ein neues Monatsmagazin für den US-Markt: "Talk", eine Zeitschrift für gehobenen Klatsch und Tratsch. Bereits vor dem ersten Erscheinen am Dienstag schien der Titel bestens gerechtfertigt. Der Grund: Tina Brown und ihre Taten.

Ein Jahr Vorbereitungszeit hatte sie sich für das neue Projekt genommen. Schon ihr Wechsel von der Chefredaktion des renommierten Magazins "New Yorker" zum Filmstudio Miramax im Sommer 1998 sorgte für Schlagzeilen. Allen Gerüchten zum Trotz beteuerte Tina Brown ihre Liebe zum gedruckten Wort und hielt ihr Versprechen. Zusammen mit Miramax, das zum Disney Konzern gehört, und Hearst Magazines ist sie an der Publikation beteiligt. Diese Partnerschaft und die erste Ausgabe von "Talk" mit Gwyneth Paltrow, Star aus der Miramax-Produktion "Shakespeare in Love", auf dem Cover gab Anlass zu Spekulationen über den Einfluss der Partner auf das Magazin. Doch Tina Brown wies solche Vorwürfe von sich: "Ich habe eine ganz genaue Vorstellung davon, wer das Magazin leitet, und das bin ich."

Man mag es ihr sogar glauben, denn Durchsetzungsfähigkeit bewies Christina Hambley Brown schon während ihrer Studienzeit in Oxford. Mit dem Bühnenstück "Under the Bamboo Tree" (Unter dem Bambusbaum) machte sie 1973 als Autorin auf sich aufmerksam und erhielt den "Sunday Times Drama Award". Auch für ihre eigentliche Karriere als Journalistin, Kolumnistin und Zeitschriften-Redakteurin wurde sie schon früh mit Auszeichnungen bedacht. Erst zwanzigjährig wurde sie 1973 von der "Sunday Times" als vielversprechendste Journalistin geehrt. Überhaupt brachte die "Sunday Times" ihr viel Glück, denn dort traf sie auch ihren zukünftigen Ehemann Harold Evans, Chefredakteur des Blattes. Dem etwas biederen, nicht mehr ganz jungen Starjournalisten verschrieb sie damals ein Lifting, so wie sie es heute mit ihren Magazinen tut: Kontaktlinsen statt Brille, neuer Haarschnitt, neue Anzüge.

Nach einer kurzen Zeit als Kolumnistin bei der gefürchteten Satire-Zeitschrift "Punch", war sie Chefredakteurin des Hochglanz Klatschblatts "Tatler", dessen Auflage sie in vier Jahren um 300 Prozent steigern konnte. 1984 wurde der Verleger S.I. Newhouse auf sie aufmerksam und machte sie zur Chefredakteurin von "Vanity Fair" in New York. Mit auflagewirksamen Aktionen wie dem Cover-Bild der hochschwangeren, nackten Schauspielerin Demi Moore gelang es der Frau mit den goldenen Händen die Auflage auf eine Million zu vervierfachen. Nach einem Jahr als Chefredakteurin der englischen Ausgabe des Blattes wurde Tina Brown von Medien-Mogul an die Spitze des renommiertesten Produktes seines Hauses, des 1925 gegründeten und 1985 von Newhouse gekauften "New Yorker". Nach einem gelungenen Relaunch beförderte Tina Brown mit guten Reportagen, Essays und ein wenig Glamour auch den Absatz des "New Yorker" nach oben, in die Gewinnzone schaffte sie es diesmal aber nicht. Nach fünf Jahren wechselte sie zum Projekt "Talk Media", dessen erklärtes Ziel es ist, mit dem neuen Magazin und einem neuen Buchverlag Ideen für firmeneigene Kinofilme und Fernsehfilme zu sammeln.

Der "Independent" beschreibt Tina Brown als "Neid-Objekt jedes Chefredakteurs und Traum-Chefin jedes Reporters". Und "Zeitgeist" ist ein in die englische Sprache übernommener Begriff, der immer wieder im Zusammenhang mit ihr genannt wird. Außerdem hat sie wirklich viel von dem, was sich viele Menschen wünschen: Geld (das Angebot von Miramax soll bei mindestens zwei Millionen Dollar gelegen haben), Ruhm (nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Mann, der lange Verleger beim Großverlag Random House war, ist berühmt), Macht und Familie (zwei Kinder, die sie am frühen Abend sieht, bevor sie von zu Hause aus bis spät in die Nacht arbeitet). Und so heisst auch ihr letztes Theaterstück "Life as a Party".

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