Zeitung Heute : Die Freiburger Digital Media Agentur richtet sich auf 700-Quadratmetern in den Hackeschen Höfen ein

Kurt Sagatz

Wenn man bedenkt, dass die Homepage die virtuelle Visitenkarte eines Unternehmens darstellt, kann man den Auftritt der Internet-Agentur Virtual Identity nur als mutig bezeichen. Auf standard-grauem Untergrund befinden sich unter www.virtual-identity.com einige wenige Links zu Referenzobjekten und -kunden, einige Verweise nach dem Muster "about", "contact", "press" und "jobs" - mehr bietet die minima-listische Einstiegsseite der Freiburger Firma, die derzeit nach Berlin expandiert und neue Räume in einem 700-Quadratmeter Dachgeschoss-Büro in den Hackeschen Höfen bezieht, nicht.

Mehr Sein als Schein - das Motto befindet sich zwar weder auf dem Briefpapier noch auf der Internet-Präsenz. Doch vom Anspruch her ist das wohl gemeint, wenn Marco Scherer, der 25-jährige Leiter des Berliner Büros davon spricht, dass bei Virtual Identity nicht Titel, sondern Verantwortlichkeiten zählen. Wie bei vielen der noch jungen Firmen aus dem Umfeld der New Economy, die entweder gerade ihren Börsengang hinter sich haben oder in nächster Zeit absolvieren wollen, sind ausgeprägte Hierarchien verpönt. Neben den Büroleitern gibt es gerade noch die Verantwortlichen für die jeweiligen Teams. Auch die offene Architektur des Dachgeschoss-Büros mit seinen langen Arbeitstischen versucht, alle Barrieren zwischen den im Durchschnitt 25-jährigen Mitarbeitern zu verhindern. Junge Mitarbeiter, junge Ideen. So wie das "Du" die Kommunikation innerhalb der Digital Media Agentur (so nennt sich Virtual Identity selbst) bestimmt, so ist die Firma im Kontakt mit den Klienten auf partnerschaftliches Miteinander eingestellt. Und dazu gehört, in den jeweiligen Märkten gemeinsam mit großen "Playern" neue Marken zu etablieren. Zum Beispiel mit ABB Alstom Power eine Internet-Seite, auf der mit Ersatzteilen für Kernkraftwerke gehandelt wird. Oder mit der Jenoptik-Tochter 4MBO einen Online-Marktplatz für Billig-PCs und andere Consumer Electronics ins Leben zu rufen, um damit dem Aldi-Lieferanten Medion Konkurrenz zu machen.

Überhaupt kommt dem gemeinsamen Aufbau neuer Marken künftig eine größere Bedeutung zu, meint Scherer. Auch hierzu hat er ein Beispiel parat. So wird das vom Möbelhersteller Vitra gesponserte Designmuseum, das derzeit in einer alten Bewag-Schaltzentrale in Prenzlauer Berg entsteht, vom Start weg durch die Internet-Agentur betreut.

Mit dem Designmuseum verbindet Virtual Identity zudem, dass beide aus der gleichen Motiviation heraus nach Berlin kamen. Beide versprechen sich aus der Dynamik der wachsenden Metropole eigene Impluse und Inspirationen. Für die Agentur kommt noch der spannende Personalmarkt hinzu, der sich nicht zuletzt durch die inzwischen zahlreichen Konkurrenzfirmen gebildet hat.

Dabei ist sich Scherer bewusst, dass die Gewinnung geeigneter Mitarbeiter das Hauptproblem für die Sicherung des Firmenwachstums ist. Derzeit beschäftigt die Agentur in Berlin 10 Mitarbeiter, bald sollen es 40 bis 50 werden. Vor allem auf die Hochschulen setzt Scherer große Hoffnungen, um an die gesuchten Betriebswirte, Kommunikations- und Grafik-Designer und Programmierer zu kommen. Wichtig ist ihm nicht nur die fachliche Qualifikation. Visionen und eine gewisse Affinität zum neuen Medium sind die Eigenschaften, die sich Scherer von den Mitarbeitern wünscht. Bei denen es sich übrigens keineswegs vorrangig um Männer handeln muss. Jede zweite Stelle ist im Gesamtunternehmen mit einer Frau besetzt, im Design-Bereich sind es sogar 70 Prozent.Mehr zum Thema im Internet unter

www.virtual-identity.com

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