Zeitung Heute : Die Freiheit droht

Andrea Nüsse[Kairo]

Am Wochenende wählt der Irak. Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen dafür getroffen werden?

Der Terrorist Abu Mussab al Sarkawi hat vor drei Tagen angekündigt, was die Welt bereits wußte: Extremistische Gruppen wollen die Wahlen verhindern und sehen Wähler als Verräter an. In Bagdad verteilten Unbekannte Flugblätter, auf denen Wahllokale im Bombenhagel abgebildet sind. Der Gang an die Wahlurne ist für die Iraker lebensgefährlich. In den sunnitisch dominierten Provinzen, wo die Aufständischen und Terroristen am stärksten organisiert sind, werden auch aus diesem Grunde wohl kaum Wähler von ihrem Recht Gebrauch machen. Dort konnten wegen mangelnder Sicherheit nicht einmal Wähler registriert werden. Im Rest des Landes soll mit drakonischen Maßnahmen für ein Minimum an Sicherheit gesorgt werden: Das Land wird für drei Tage von der Außenwelt abgeschnitten, die Landesgrenzen werden ab dem 29. Januar geschlossen, ebenso der internationale Flughafen von Bagdad. Am Wahltag gilt ein totales Fahrverbot in der Nähe der Wahllokale, um Autobomben zu verhindern. „Die Wähler sollten sich darauf einstellen, zum Wahllokal zu laufen“, sagte Innenminister Falah al Nakib. Möglicherweise werden jedoch Busse zum Transport der Wähler zur Verfügung gestellt. Die Orte, an denen die Wahlurnen aufgestellt werden, sind bisher geheim. Sie sollen erst in letzter Minute bekannt gegeben werden, indem sie handschriftlich auf Wahlplakate geschrieben werden.

Aus Sicherheitsgründen haben auch viele der mehr als 200 Wählerlisten ihre Kandidaten für die Nationalversammlung bisher nicht bekannt gegeben. Öffentliche Wahlkampfauftritte gab es kaum. Mehrere Kandidaten sowie Wahlhelfer sind bereits ermordet worden.

Während der zwei Feiertage, sollen Ausgangssperren von 20 bis 6 Uhr verhängt werden. Der Innenminister dementiert Gerüchte, nach denen die drei Mobilfunknetze am Wahltag stillgelegt werden, um die Zündung von Bomben per Telefon zu verhindern. Die Behörden der heiligen schiitischen Stadt Nadschaf verhängten ein fünftägiges Aufenthaltsverbot für Nichtbewohner. „Fremde, die in der Stadt bleiben, werden festgenommen und als Terrorverdächtige behandelt“, warnte Polizeichef Ghaleb al Jasaeri. Die UN, die an den technischen Vorbereitungen beteiligt sind, haben nur 25 Wahlhelfer im Lande.

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