Zeitung Heute : Die Furcht vor der Angst

Claudia Horn

Die meisten Westdeutschen schauen nach einer Studie in diesem Jahr zuversichtlich in die Zukunft, während im Osten die Angst dominiert. Welche Sorgen haben die Deutschen?


Die Deutschen haben weniger Angst als noch vor einem Jahr. Nach einer Studie der R+V-Versicherung haben 45 Prozent der Deutschen „große Angst“ vor der Zukunft, im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 51 Prozent. Der Angstindex erreicht damit wieder das Durchschnittsniveau der seit 1991 jährlich erhobenen Langzeituntersuchung. Eine Erklärung dafür sei die Änderung der „wirtschaftlichen Großwetterlage“, sagte Manfred G. Schmidt, Professor an der Universität Heidelberg, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Auch der Regierungswechsel 2005 habe sich positiv auf die Stimmung der Deutschen ausgewirkt.

Tatsächlich haben die Deutschen weniger Angst, arbeitslos zu werden. 61 Prozent der Befragten fürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes – dieser Wert ging im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zurück. In den neuen Bundesländern hat allerdings die Zukunftsangst den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. In Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen ist die Furcht der Deutschen am größten; in Baden-Württemberg ist man am zuversichtlichsten.

Wenn es um die drängendsten Sorgen geht, sind sich die Deutschen jedoch einig: Die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten liegt auch in diesem Jahr unangefochten auf Platz eins, gefolgt von der fehlenden Bürgernähe der Politiker und der Angst vor hohen Arbeitslosenzahlen. Die Unzufriedenheit mit der Arbeit von Politikern sank im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich. Insgesamt drängen wirtschaftspolitische Themen die persönlichen Sorgen in den Hintergrund. Erst an fünfter Stelle steht die Angst, im Alter ein Pflegefall zu werden, gefolgt von eigener Arbeitslosigkeit und Erkrankung.

Der Grad der Zuversicht variiert nach Bildungsgrad, Geschlecht und Konfession. So sind Frauen, Menschen mit geringerer Bildung sowie Konfessionslose tendenziell ängstlicher. Auch das Einkommen spielt eine Rolle: „Ab einem Haushaltseinkommen von über 3000 Euro geht die Angst signifikant zurück“, sagt Schmidt.

Im Ländervergleich belegt Berlin beim Angstindex nun den vierten Platz statt Platz neun wie im Vorjahr. Auch hier stehen die Furcht vor steigenden Preisen, die Unzufriedenheit mit den Politikern und die gefürchtete Verschlechterung der Wirtschaftslage auf den vorderen Plätzen. Außerdem sorgt man sich in der Hauptstadt bundesweit am meisten vor Terroranschlägen. Auch die Furcht vor Straftaten erreicht einen hohen Wert. Nur in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist die Angst vor Kriminalität und Drogen noch größer.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar