Zeitung Heute : Die Gärten der Welt in Marzahn

Der Tagesspiegel

Von Steffi Bey

Marzahn. Eigentlich könnte sich Marzahn vom nächsten Jahr an umbenennen - vielleicht in Gartenstadt: Denn im Frühjahr 2003 soll der Bezirk neben dem bekannten Chinesischen Garten auch noch einen Japanischen Garten bekommen. Aber das ist noch nicht alles - die Grün Berlin Park und Garten GmbH plant bereits das dritte Projekt, einen Islamischen Garten. Alle zusammen bilden dann die „Gärten der Welt“ und sollen den oft gescholtenen Plattenbaubezirk zu einer Touristenattraktion machen.

Mitte Mai beginnen japanische Arbeiter den zweiten Garten auf dem Gelände des Erholungsparks Marzahn an der Eisenacher Straße zu gestalten. Sie werden auf und um die bereits aufgeschütteten Hügel verschlungene Pfade und Wasserfälle platzieren. Und sie werden das 2700 Quadratmeter große Areal dicht mit verschiedenen Ahornsorten, Tannen und Fichten bepflanzen. Als besonderer Blickfang ist ein Kirschblütenhügel vorgesehen. Ein großer Pavillon ist geplant - er heißt im japanischen Sikiya - der für Veranstaltungen und traditionelle fernöstliche Teezeremonien genutzt werden kann.

Auch die für einen Japanischen Garten typische Felsenlandschaft entsteht. Das Besondere: Die Steine kommen diesmal nicht wie für den im Jahr 2000 eröffneten Chinesischen Garten aus Fernost, sondern aus Sachsen. Shunmyo Masuno, Professor für Gartenarchitektur und Zen-Priester, hat sie in den vergangenen Wochen eigenhändig im erzgebirgischen Crottendorf ausgesucht: Sie sind mehrere hundert Jahre alt, unterschiedlich groß, verschieden geformt und haben eine raue, dunkle Oberfläche. Auf einigen dieser basalthaltigen Steine wachsen zierliche Bäumchen. „Die ersten drei Lastwagen mit 200 Tonnen Steinen an Bord sind bereits im Erholungspark angekommen“, sagt die Landschaftsgestalterin Beate Reuber. Noch fünf Lastwagen werden erwartet. Der größte Brocken wiegt übrigens vier Tonnen und wird einmal an den Bachläufen platziert.

Masahiko Asada, ein 69-jähriger Pensionär aus Tokio, schaute sich gestern das Gestein an. Schließlich hat der zurückhaltende Japaner schon jetzt eine einmalige Beziehung zum neuen Garten. Der frühere Elektronikingenieur spendet 30 000 Euro für den Bau des Japanischen Gartens, der insgesamt 1,5 Millionen Euro verschlingt. Die Gelder setzen sich zu 80 Prozent aus EU-Fördermitteln zusammen, den Rest trägt das Land.

Der finanzielle Beitrag des Rentners stammt aus seinem Privatvermögen und zum Teil von einer in Tokio arbeitenden Ingenieurgesellschaft. „Mich hat der Fall der Mauer stark beeindruckt, und deshalb wollte ich für Berlin etwas tun“, sagt Masahiko Asada. So schrieb er vor einigen Monaten dem Regierenden Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und wollte die Stadt eigentlich mit Kirschbäumen erfreuen. Als er dann vom Japanischen Garten erfuhr, sei er davon begeistert gewesen. Obwohl er sich bislang nie besonders für Gärten interessierte, wie er sagt, beeindrucke ihn das Projekt des Zen-Priesters.

Auch seine Frau und die beiden erwachsenen Kinder unterstützen sein Sponsoring. Dass sein Name bald auf einer Gedenktafel erscheinen soll, ist dem bescheidenen Tokioter eher ungenehm. Er will aber auf jeden Fall nächstes Jahr zur Eröffnung dabei sein.

Noch bis Donnerstag bleibt er in Berlin. Er hat ein volles Programm. Wowereit empfängt ihn, dann will er den Reichstag und den Potsdamer Platz besichtigen und auch einen Abend in der Philharmonie verbringen.

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