Zeitung Heute : Die Gardinen näht Gräfin zu Lynar selbst

So einladend Schloss Lübbenau, so verwunschen Schloss Marquardt. Foto: dpa/Berkholz
So einladend Schloss Lübbenau, so verwunschen Schloss Marquardt. Foto: dpa/BerkholzFoto: picture-alliance/ ZB

Nein, eine Gräfin stellt man sich anders vor. Statt im Salon Tee zu trinken, sitzt Beatrix Gräfin zu Lynar an der Nähmaschine und kämpft mit endlosen Stoffbahnen. Eigenhändig näht sie die Gardinen für den Marstall in Lübbenau und sorgt dafür, dass jedes Zimmer seine individuelle Note bekommt. Währenddessen flitzen die Schlossgeister herum, hängen hier noch ein Bild auf oder rücken dort ein Sofa ins rechte Licht. Noch ist nicht alles fertig. Aber am 26. April soll es soweit sein: Dann wird der Marstall als neue Beherbergungsstätte von Schloss Lübbenau eingeweiht und das geschichts trächtige Ensemble im Spreewald um eine weitere Perle bereichern.

Seitdem die Grafen zu Lynar das klassizistische Bauwerk in den neunziger Jahren in einen wohnlichen Vier-Sterne-Betrieb verwandelten, hat es sich als stilvolle Adresse für Hochzeiten, Tagungen und ländliche Aufenthalte im Biosphärenreservat bewährt. Die lichtdurchflutete Orangerie wurde zu einem freundlichen Café-Restaurant, die Gerichtskanzlei zum Ort für Ausstellungen (und ein künftiges Museum), der neun Hektar große Schlosspark zur romantischen Kulisse für sommerliche Open-Air-Veranstaltungen.

Nur eins störte das Bild: der baufällige Marstall, der zwischen Schloss und Orangerie vor sich hindämmerte. Dabei gehört der schlichte, zweigeschossige Fachwerkbau zu den ältesten Gebäuden des Schlossbezirks. Im vergangenen Jahr konnte die Familie dann endlich die Sanierung in Angriff nehmen. Wo früher die Pferde standen, laden nun zwanzig Wohneinheiten mit rustikal eingerichteten Zimmern, Ferienappartements und Suiten zur Landpartie ein. Eine Besonderheit sind die barrierefreien Wohnungen. Nicht nur gehbehinderte Gäste und solche mit Allergien sollen sich hier wohlfühlen. Die Räumlichkeiten eignen sich vor allem auch für Familien – unten lockt ein Garten mit Spielplatz, Liegestühlen und Grillplatz. „Das Schloss Lübbenau und seine bauliche Wiederherstellung nach der Wiedervereinigung sind ein wichtiger Leuchtturm für den Tourismus in Brandenburg“, ist Dieter Hütte, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH überzeugt und freut sich, dass durch den barrierefreien Marstall das Angebotsspektrum des Spreewalds noch größer wird.

Doch nicht nur hier, auch in anderen brandenburgischen Schlössern hat sich in den letzten Monaten einiges getan. Das Herrenhaus von Ribbeck ist mit seiner Kombination aus Museum, Standesamt, Veranstaltungsort und gehobenem Restaurant zur touristischen Visitenkarte des Havellands geworden. Ein Stück weiter öffnet pünktlich zu Ostern Schloss Kartzow nach längeren Bauarbeiten mit zwölf Zimmern und Suiten wieder seine Pforten. Spätestens im Juli erwacht dann auch Schloss Marquardt mit dem Festival Rohkunstbau zu neuem Leben – den Sommer über werden in dem neobarocken Anwesen am Schlänitzsee Malerei, Skulpturen, Fotos und Installationen von zehn Künstlern aus Deutschland und Europa den Mythos von Atlantis umkreisen.

Und was tut sich in den Schlössern von Sacrow oder Doberlug-Kirchhain? Die beste Möglichkeit, sich einen Überblick über die altehrwürdigen Gemäuer zu verschaffen, bieten die Brandenburger Schlösserfahrten, die die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH von Mai bis September veranstaltet. Mal geht es nach Norden – zum Jagdschloss Groß Schönebeck, Schloss Kröchlendorff, Boitzenburg und Hubertusstock, mal nach Osten, in die Niederlausitz oder in den Westen, wo die Herrenhäuser von Sacrow, Ribbeck oder das Landgut Borsig auf Neugierige warten. Auch Herrenhäuser, die sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind, öffnen dann für Besucher. Neben sachkundigen Führungen schließen die Tagesausflüge ein Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen ein. Zwischendurch ist Zeit, durch die Gärten und Parks zu schlendern. Bei den vergnüglichen Landpartien findet garantiert jeder sein Lieblingsschloss.

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