DIE GESCHICHTE : Weltkrieg in Spanien

1936: Sie kamen von überall, aus Russland oder Amerika, sie waren Nazis oder Anarchisten – und kämpften in einem fremden Land

Vor 75 Jahren standen sich in Spanien die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite formierten sich: ein elitäres Offizierskorps; in ihrer Blaublütigkeit von der eigenen Überlegenheit überzeugte Adlige; eine katholische Kirche, die sich mit ans Absurde grenzender Wundergläubigkeit in alle gesellschaftlichen Belange einmischte; die Ultranationalisten von der rechtsextremen Falangepartei; und ein verunsichertes Bürgertum, das sich schon vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 auf Talfahrt befand. Auf der anderen Seite: Anarchisten, Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschafter, die sich untereinander bis aufs Blut bekämpften; liberale Bürger, denen das antimoderne Gehabe der Rechtsextremisten noch mehr Angst machte; sowie Vertreter der Regionen, vor allem des Baskenlandes und Kataloniens, die mit der Zentrale nichts gemein hatten.

Bei den Wahlen von 1936 erkannten beide Seiten, dass sie jeweils nur im Bündnis eine Chance hatten. Knapp gewann die linke Volksfront. Die rechtsstehenden Nationalisten hielten das für einen Betriebsunfall und putschten gegen die Republik. Ihr Anführer wurde General Francisco Franco.

Die Rechte hatte mächtige Freunde: die in Italien regierenden Faschisten und die in Deutschland regierenden Nationalsozialisten. Beide erklärten sich für neutral, halfen aber mit zehntausenden Soldaten, Panzern und Flugzeugen ihren Brüdern im Geiste, den rechten Falangisten. Vor allem Deutschland sah darin die Chance, die neue Luftwaffe in seiner für Spanien aufgestellten Legion Condor im Kampf zu erproben. Die linke Volksfront stand für den Erhalt der Republik, zerfiel derweil wieder in ihre Fraktionen, die sich gegenseitig beschossen, theoretisch jedoch auch Freunde hatten: Großbritannien, Frankreich und die USA. Doch die hielten an ihrer Neutralität fest. Allein die Sowjetunion schickte Berater und Waffen, ließ sich die mit den spanischen Goldreserven bezahlen. Es kamen aber auch Freiwillige aus aller Welt der Republik zu Hilfe, fast 60 000, die meisten kämpften in den Internationalen Brigaden. Unter ihnen waren spätere DDR-Politiker wie Erich Mielke, viele Künstler, wie Pablo Picasso, der seine Version des Bombenangriffs auf Guernica malte, Schriftsteller wie George Orwell, der in den Hals getroffen wurde und verwundet überlebte. Am Ende gewannen die Nationalisten den brutal geführten Krieg. Sie sollten Spanien bis zu Francos Tod 1975 diktatorisch beherrschen. Erst danach fand das Land Anschluss an die Moderne.

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