Zeitung Heute : Die Gewalt in Syrien eskaliert

Assads Armee soll ein Massaker verübt haben UN-Resolution scheitert an Russland und China.

Während im Weltsicherheitsrat weiter vergeblich um den Wortlaut der ersten UN-Resolution gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad gerungen wurde, hat die syrische Armee nach Angaben von Menschenrechtsgruppen in der Nacht zum Samstag ein beispielloses Massaker an Bewohnern der Stadt Homs verübt. Nach Augenzeugenberichten wurden die sunnitischen Wohnviertel Khalidiyeh, Bab Amr und Qusur von Mitternacht bis in den frühen Morgen mit schwerer Artillerie und Panzerraketen systematisch unter Feuer genommen. Wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London und der „Syrische Nationalrat“ bestätigten, starben mehr als 200 Menschen in ihren Häusern, von denen 36 total zerstört wurden. Der Fernsehsender Al Arabiya spricht sogar von mehr als 400 Toten und 1300 Verletzten, darunter viele Frauen und Kinder.

Das Regime in Damaskus bestritt die Berichte und tat sie als „hysterische Propagandakampagne bewaffneter Gruppen“ ab, die nur den UN-Sicherheitsrat beeinflussen wollten. Die Toten „auf den Bildern der Satellitenkanäle“ seien tatsächlich von Bewaffneten entführt und getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung für das Massaker ist unmöglich, weil das Assad-Regime seit Monaten jede freie Berichterstattung im Land unterbindet.

In New York ging derweil der diplomatische Nervenkrieg um die Verabschiedung der UN-Resolution weiter, während Regimegegner in London, Athen, Madrid und Berlin sowie in Kairo und Kuwait-Stadt die syrischen Botschaften stürmten und das Inventar verwüsteten. Die Vertretung in Kairo im Stadtteil Garden City brannte teilweise aus.

Die Resolution scheiterte am Samstagabend im UN-Sicherheitsrat an den Stimmen von Russland und China. Schon zuvor hatte Außenminister Sergei Lawrow gesagt, Russland werde das UN-Dokument erneut mit einem Veto blockieren. Am Rande der Sicherheitskonferenz in München versuchten US-Außenministerin Hillary Clinton und Außenminister Guido Westerwelle, Lawrow davon zu überzeugen, dass es höchste Zeit für eine Verurteilung der Gewalt in Syrien durch das höchste UN-Gremium sei. Dabei gerieten Clinton und Lawrow offenbar persönlich aneinander: Das Gespräch sei „sehr heftig“ verlaufen, sagte ein US-Vertreter.

Erstmals seit Ausbruch der Unruhen forderte US-Präsident Barack Obama ausdrücklich den Rücktritt Assads. „Assad hat kein Recht, Syrien zu führen“, sagte Obama am Samstag. „Er hat jede Legitimität in seinem Volk und in der internationalen Gemeinschaft verloren“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme weiter. Der syrische Machthaber solle die „Todeskampagne“ und die „Verbrechen an seinem eigenen Volk“ stoppen. Die internationale Gemeinschaft müsse daran arbeiten, das syrische Volk vor dieser abscheulichen Brutalität zu schützen. mit rtr/dpa

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