Zeitung Heute : Die große Freiheit

Am kommenden Freitag und Samstag findet in Berlin die „Einstieg Abi“ statt. Dort erfahren junge Leute, was sie nach der Schule alles machen können – von der Lehre bis zum Auslandsstudium

Anne Wüstemann

„Und – was hast du nach der Schule vor?“ Kurz vorm Abitur gibt es kaum eine Frage, die mehr nervt als diese. Beim Antworten sind zwar die im Vorteil, die genau wissen, wo sie im Leben hin wollen. Doch viele fühlen sich von dieser Freiheit auch überfordert. Orientierung heißt zunächst die schwerste Aufgabe, die es nach der 13. Klasse zu lösen gilt – und die bietet die Messe „Einstieg Abi“, die am 23. und 24. September in Berlin stattfindet.

„Mehr als 9000 Studiengänge und 340 Ausbildungsberufe bieten Hochschulen und Unternehmen derzeit in Deutschland an“, sagt Constanze Beer von der Einstieg GmbH. Hinzu kommen Zweifel in Bezug auf Vorteile von Bachelor oder Master, zuhause wohnen oder weggehen, im Ausland studieren oder in Deutschland bleiben. Die Firma Einstieg vermittelt in diesem Möglichkeiten-Dschungel zwischen Schulabgängern und Bildungsanbietern wie Unternehmen oder Hochschulen. Sie organisiert die „Einstieg Abi“-Messe, die keinen Eintritt kostet, im vierten Jahr in Berlin und noch länger in Köln. Karlsruhe und München sind seit kürzerer Zeit ebenfalls dabei. Daher kennt Constanze Beer die Fragen der Schüler und weiß: „Die Jugendlichen sind engagiert und ernsthaft bei der Sache. Sie wissen, dass es heute wichtig ist, sich frühzeitig zu kümmern.“

Dennoch sei Unterstützung notwendig. „Weiß man mit 18 wirklich, was man machen will?“, gibt Constanze Beer zu Bedenken. „Oder was hinter einem Master of Arts in London steckt?“ 275 Aussteller geben am Freitag und am Samstag in den Messehallen 1 und 2 jeweils von 9 bis 17 Uhr Antworten. Vor Ort sind Unternehmen, Hochschulen, private Bildungsanbieter, Sprachreise-Veranstalter und Verbände aus zwölf Ländern – eine besondere Gelegenheit also auch, um mit ausländischen Unis oder Firmen ins Gespräch zu kommen. Die Messe wird unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit und der Handwerkskammer Berlin unterstützt.

Parallel zur Ausstellung laufen 100 Orientierungsveranstaltungen – das sind Info-Vorträge zu Studienabschlüssen und Berufsbildern vom Anwalt bis zum Designer genauso wie Talkrunden zu Themen wie „Mode“ oder „Persönlichkeit“. Außerdem beraten Experten in punkto Berufs- und Studienorientierung, zur Arbeit als Tierarzt oder als Pilot. In Workshops gibt es außerdem Tipps für ein Auslandsjahr, einen Knigge für Asien oder Schauspieltraining (s. auch S. 29).

Wie im echten Leben, brauchen allerdings auch Besucher der „Einstieg Abi“ Orientierung, um das vielfältige Angebot nutzen zu können. Dafür haben die Macher einen Messeplaner ausgetüftelt. Unter www.einstieg.com findet sich der Link zum hilfreichen Wegweiser. Mit Hilfe eines Stichworts sucht der Messeplaner passende Aussteller und Programmpunkte. Ein weiterer Mausklick führt dann zum Hallenplan – auf der „Einstieg Abi“ muss niemand der erwarteten 25 000 Besucher ziellos durch die Gegend streifen.

Manch Zielstrebige tragen in den Messehallen auch schon eine Kurzbewerbung unterm Arm. Denn Personalverantwortliche sind unter den Ausstellern ebenso zu treffen wie Auszubildende oder Studenten, die vom Betriebsleben erzählen können. Auf einem Ausbildungs-Markt im Eingangsbereich gibt es außerdem eine Praktikums- und Azubistellenbörse. An Pinnwänden steht geschrieben, welche Aussteller freie Stellen anbieten. Rund 1500 werden das insgesamt sein, teilt die Einstieg GmbH mit, auch noch für dieses Jahr. Außerdem: „Niemand sollte sich scheuen zu fragen“, ermutigt Constanze Beer. „Wer sich in einer Bewerbung auf die ,Einstieg Abi’ beziehen kann, hat einen Pluspunkt.“

Die Unternehmen wissen, wen sie bei der Messe vor sich haben. „Wer hierher kommt, hat die erste Hürde genommen, denn er zeigt Interesse und Engagement“, erklärt Expertin Beer. Zwar stehe nach wie vor die Information im Vordergrund, doch eine Vorauswahl werde von beiden Seiten getroffen. Schüler nutzen die Messe, um Chancen und Anforderungen auszuloten. Was beide Seiten wünschen, lässt sich dabei immer noch am besten im Gespräch herausfinden. Dafür gibt es ebenfalls Hilfe im Netz: Über den Messekontakter können Schüler mit den Firmen vorab einen Termin auf der Ausstellung vereinbaren.

Rund um den Einstieg in das Leben nach der Schule gilt also: Je früher man beginnt, seine Fühler auszustrecken, umso besser. Deshalb ist die Messe nicht nur an Abiturienten, sondern auch an Elft- und Zwölftklässler gerichtet. Aber auch Lehrer (s. Artikel rechts) und Eltern sind angesprochen, denn beide können dazu beitragen, dass der Nachwuchs in der Angebotsflut gar nicht erst den Mut verliert. Um es mit den Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit zu sagen: „Die ,Einstieg Abi’ ist eine gute Möglichkeit, ein Stück Zukunftsgewissheit zu gewinnen.“

Die Messe „Einstieg Abi“ findet am 23. und 24. September in den Messehallen unterm Funkturm statt (Hallen 1 und 2). Der Eintritt ist kostenlos. Geöffnet ist an beiden Tagen von 9 bis 17 Uhr. Infos im Internet: www.einstieg.com

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