Zeitung Heute : Die heiteren Aussichten

Krake Paul ist tot, es lebe Krake Saul! Unser Tentakelorakel sagt, wie das Jahr 2011 wirklich wird

Jo „Saul“ Schneider
Weiß und weise. Krake Saul, das Tagesspiegelorakel. Foto: dapd
Weiß und weise. Krake Saul, das Tagesspiegelorakel. Foto: dapdFoto: dapd

Januar:

Es ist der härteste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Bei durchschnittlich minus zehn Grad Celsius verkehrt in Berlin zuletzt eine einzige S-Bahn im Pendelverkehr auf der letzten noch zugänglichen Strecke zwischen dem S-Bahn-Werk Grünau und dem Betriebsbahnhof Schöneweide.

Februar: Über Berlin wird der Notstand verhängt, zugleich wird die Terrorwarnung zurückgestuft: Bei 30 Zentimeter dicken Eisplatten auf den Straßen können Attentäter nicht zu sicherheitsrelevanten Zielen durchdringen. Die Sitzungswochen von Bundestag und Senat fallen ebenso aus wie die Berlinale und das David-Hasselhoff-Konzert im Tempodrom.

März: Bei der Landtagswahl in Baden- Württemberg schlägt Stefan Mappus’ CDU die Grünen vernichtend, allerdings bei einer Wahlbeteiligung von weniger als 50 Prozent – aufgrund von Schneechaos. Beobachter sprechen vom „Sieg des Daimlers über das Fahrrad“.

April: Berlin sieht aus, wie eine Stadt eben aussieht, in der 30 Zentimeter dicke Eisplatten schmelzen. Glamour kommt allein von den Zeitungsständern: Vorberichterstattung zur Traumhochzeit von Prinz William und Kate Middleton.

Mai: Hertha BSC beendet die Zweitligasaison auf Platz 10 der Tabelle, einen Platz hinter dem 1. FC Union. Auch das Anfang April rasch zusammentelefonierte Feuerwehrkonsortium aus Peter Neururer, Friedel Rausch und dem Geist von Jörg Berger kann nichts mehr ausrichten. Mit „Satellite II“ verteidigt Lena in Düsseldorf ihren Grand-Prix-Titel.

Juni: Das erste stabile Frühsommer- Hoch erweckt die Protestbewegungen zu neuem Leben: Bei strahlendem Sonnenschein demonstrieren am Stuttgarter Hauptbahnhof, an der BBI-Baustelle in Berlin und anderswo friedliche „Wutbürger“ gegen den Lauf der Dinge.

Juli: Deutschland, ein Sommermädchen: Im Finale der Frauenfußball-WM im eigenen Land spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen Brasilien – und verliert durch ein Tor in der Nachspielzeit. Eine Million Deutsche streben zum Frankfurter Römer, um sich bei „unseren Mädels“ für die „geile Zeit“ zu bedanken.

August: Die neue Enthüllungsseite Kikileaks stopft das Sommerloch: Guido Westerwelle soll Angela Merkel „ideenlose Mutti“ genannt haben. Westerwelle dementiert „Mutti“.

September: Vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus werfen viele Hauptstädter eine Münze, die daraufhin auf der Kante stehen bleibt: Das Duell Künast gegen Wowereit endet mit einem Patt, das nur eine Koalition mit dem jeweils anderen möglich macht.

Oktober: Zähe Koalitionsverhandlungen in Berlin, an deren Ende eine Regierungs-Doppelspitze steht. „Endlich ein richtiger Kerl an meiner Seite“, witzelt Klaus Wowereit bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages – und wird daraufhin von Renate Künast denkbar kühl als „ideenlose Mutti“ bezeichnet.

November:
Beim G-20-Gipfel in Cannes gibt es in allen entscheidenden Punkten keine Übereinstimmungen. Die Börsen reagieren nervös, die Konjunkturprognosen werden nach unten korrigiert. In Berlin interessieren solche Kleinigkeiten indes niemanden: Ende November fällt der erste Schnee.

Dezember: Zum Schluss wird alles gut: Der achtmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher dreht eine Runde am Brandenburger Tor. Der Friedensnobelpreis geht an Helmut Kohl. Im Rahmen einer Resozialisierungsmaßnahme wird Thilo Sarrazin neuer alter Finanzsenator in Berlin – und findet Gelder, von denen er Berlin mit Weichen-, Schienen- und Fahrbahnheizungen versieht. In der neuen Wärme lösen sich auch alle sozialen und interkulturellen Spannungen in Wohlgefallen auf. Jo „Saul“ Schneider

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