Zeitung Heute : Die Herren der 1000 kleinen Dinge

Im Krisenstab im brandenburgischen Perleberg kümmern sich rund 40 Mitarbeiter um den Katastrophenschutz für die Prignitz

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Im ersten Stock der Feuerwache von Perleberg sitzt Wolfgang Schulz und hat den Überblick verloren. Nicht über Pegelstände, Einsatzpläne und Deicharbeiten, aber über die Zettel auf seinem Schreibtisch und die Wochentage. Seit Donnerstag, nein, Dienstag, nein, er weiß es nicht mehr, leitet Schulz von der Feldstraße aus den Prignitzer Krisenstab.

Zusammen mit 30 bis 40 Mitarbeitern der Kreisverwaltung koordiniert er Fuhrunternehmer, die Sand anliefern und Sandsackfüllplätze, holt aktuelle Wasserstände ein, organisiert Einsatzorte und Unterkünfte für Brandschutzzüge aus dem ganzen Land sowie Evakuierungsquartiere, ordnet Straßensperrungen an, informiert die Presse und kümmert sich um Catering für die Helfer an den Deichen und Dixiklos für die Bundeswehreinheiten. Er sei der Herr der 1000 kleinen Dinge, sagt er. Grundlage für die Arbeit seien Katastrophenübungen, die immer mal wieder durchgeführt werden. „Was wir bisher nur geübt haben, können wir jetzt ausprobieren“, sagt Schulz – und ist mit dem Ergebnis ganz zufrieden.

Im großen Besprechungsraum stehen Tische in einem großen Oval, daran versammeln sich mehrmals täglich Fachberater von Polizei, Bundeswehr, Bundesgrenzschutz, Feuerwehr und Straßenbaufirmen, die direkt Informationen austauschen. An der Wand hängen Hochwasserschutzkarten, die Deichverteidigungsabschnitte verzeichnen. 40 Telefonleitungen gehen vom Perleberger Krisenzentrum in die Region, 38 für die großen technischen Probleme, zwei für die kleinen individuellen.

Am Beratungstelefon des Kreises sitzen Gordon Thalmann und Torsten Foelsch. Sie arbeiten auch in der Kreisverwaltung und wurden zum Telefondienst beordert. Sie notieren n, Telefonnummern und besondere Qualifikationen von Freiwilligen, die ihre Hilfe anbieten, und informieren Anrufer über den aktuellen Stand. Nein, noch werde nicht evakuiert, „aber es läuft daraufhinaus, dass es passiert“, nein, mit Entwarnung sei nicht zu rechnen, ja, am besten schon mal den Keller und das Erdgeschoss leer räumen. Von sieben Uhr morgens bis 20 Uhr abends ist das Telefon besetzt, um 13 Uhr ist Schichtwechsel. Aber damit nicht automatisch Feierabend.

Gordon Thalmann ist bei der Freiwilligen Feuerwehr von Perleberg. Er fährt nach dem Telefondienst an den Deich und schippt Sand in die Säcke. „Wir befinden uns im Katastrophenfall“, sagt sein Kollege Foelsch ins Telefon. Ariane Bemmer

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