Zeitung Heute : Die High-Tech-Schmiede entwickelt und produziert optoelektronische Sensoren

Corinna Visser

Nach dem Börsengang am 15. Juli hat die Aktie der Silicon Sensor International AG keinen gewaltigen Sprung gemacht wie manch anderes Hightech-Papier am Neuen Markt. Nach einem Emissionspreis von 15,50 Euro bewegt sie sich in einer Spanne von 16,80 bis 18,50 Euro. Vorstand Bernd Kriegel ist zufrieden mit der Entwicklung: "Spekulanten wollten wir nicht anlocken, sondern eine solide Finanzierung auf die Beine stellen". Die neue AG soll in Zukunft als Holding fungieren. Das Geschäft macht die Silicon Sensor AG, deren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer Kriegel ist.

Kriegel kam 1975 zum Physik-Studium nach Berlin. Nach seinem Abschluss an der Humboldt Universität wechselte er 1980 direkt zum Werk für Fernsehelektronik. Er war gerade mit seiner Promotion beschäftigt, als die Wende kam; die Promotion konnte er dann erst 1991 abschließen. Mit der Wende kam auch die Erkenntnis, dass er auf der Straße landen würde, wenn er sich nicht etwas einfallen ließe. Die Alternativen waren Kurzarbeit oder ein eigenes Unternehmen gründen. Er stellte sein Konzept der Treuhand vor und konnte 1990 / 1991 die Abteilung optische Sensoren des Werks für Fernsehelektronik als Profit-Center führen.

Mit Hilfe von Partnern aus Süddeutschland gründete er im August 1991 die Silicon Sensor GmbH. Damals hatte die Firma zwei Mitarbeiter. Heute sind es 36, am Ende des Jahres sollen es 40 sein. 40 ist auch das Durchschnittsalter der Beschäftigten - in vielen anderen High-Tech-Schmieden liegt es weit darunter. "Wir verstehen uns als Maßschneider für Chips. Auch die Stars der Haute Couture sind älter. Es gehört Erfahrung dazu, gut zu sein," sagt der 44-Jährige. Im vergangenen Jahr setzte das Köpenicker Unternehmen 5,5 Mill. DM um und erzielte ein operatives Ergebnis von 350 000 DM. 1999 soll der Umsatz auf acht bis 9,5 Mill. DM steigen.

Silicon Sensor entwickelt und produziert optoelektronische Sensoren. Die hochempfindlichen Sensor-Chips gleichen dem menschlichen Auge. Sie wandeln Strahlungsenergie in elektrische Impulse um. Sensoren von Silicon Sensor befinden sich zum Beispiel in den Entwicklungsautomaten von Agfa. Sie sorgen dafür, dass die Farben auf dem Foto so erscheinen, wie sie fotografiert worden sind. In den Raumanzügen auf der Weltraumstation Mir kreisen Sensoren aus Köpenick im All. Sie überwachen die Kreislauffunktionen der Astronauten. Silicon Sensor hat auch einen Sensor entwickelt, der die genaueste Messung des Abstands zwischen Erde und Mond liefert - mit einer Abweichung von maximal zwei Zentimetern.

Neben Silicon Sensor führt Kriegel auch die Geschäfte der noch jungen Silicon Instruments, die Detektoren baut, mit denen Krebsgeschwüre entdeckt werden können. Außerdem ist er Mitbegründer des Sensor Instituts e.V., das ehemaligen Mitarbeitern des Fernsehwerks eine neue Stellung verschaffen soll. Da bleibt nicht viel Zeit. "Die Physik ist mein Hobby", sagt Kriegel. Die Ölmalerei, das Angeln und Segeln hat er erst einmal aufgegeben. Seine freie Zeit widmet er jetzt lieber seiner Frau und den zwei Töchtern.

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