Zeitung Heute : Die Idylle suchen

Brigitte Grunert

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Wirklich, die sanften Spätsommertage sind ein Geschenk. Sie gefallen uns sowieso besser als die anstrengenden Hundstage. Es ist das ideale Reisewetter. Doch Ausflüge tun es auch. Preußens Arkadien liegt vor der Tür. Gemeint sind die Schlösser und Parks von Potsdam, Glienicke, Babelsberg, der Pfaueninsel, die Landschaftskirchen von Sacrow und Nikolskoe.

Der Berliner sagt natürlich eigenwillig „Nikolskö“ mit Betonung auf der letzten Silbe, obwohl er weiß, dass Friedrich Wilhelm III. das Blockhaus Nikolskoe und die Kirche St. Peter und Paul auf der Haveldüne zu Ehren des Zaren Nikolaus, seines Schwiegersohnes, bauen ließ. Von Nikolskoe also geht alle zehn bis 15 Minuten die Fähre zur Pfaueninsel. Dorthin zog es uns. Wunderbare Stille umfängt den Spaziergänger in dieser Idylle der Gärten und uralten Bäume. Zahme Pfauen begleiten uns. Keine Imbissbude stört, kein Restaurant. Ab und zu klingt Glockengeläut von St. Peter und Paul herüber. Für Fontane war die märchenhafte Insel denn auch „mehr Feen- als Pfaueninsel“.

Als sie noch Kaninchenwerder genannt wurde, zauberte hier der Alchemist Johann Kunckel das Rubinglas. Das romantische Holzschlösschen ließen erst Friedrich Wilhelm II. und seine große Liebe zaubern, die zur Gräfin Lichtenau erhobene Wilhelmine Encke. Nur bewohnen konnten sie es nicht mehr, denn kaum war es fertig, starb der König 1797. Aus der Nähe schimmert das Schlösschen übrigens gar nicht mehr so schneeweiß und geheimnisvoll. Es wirkt ziemlich grau und ramponiert. Das Interieur von damals aber ist erhalten, und die ausgestellten Strohhüte soll Königin Luise getragen haben, die Gemahlin Friedrich Wilhelms III. Wie bescheiden doch die königliche Sommerfrische war. Na ja, man liebte es ländlich idyllisch, ohne höfisches Gepränge.

Die Pfaueninsel hat viel zu erzählen. So versteckte sich Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., dort in den Revolutionstagen 1848. Selbst Nützliches ergab sich: Seltene Tiere, die auf der Insel gehalten wurden, zählten später zu den ersten Exemplaren im Berliner Zoo.

Das Schloss auf der Pfaueninsel ist vom 1. April bis 31. Oktober täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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