• Die Internationale Funkausstellung muss mit der Zeit gehen, selbst wenn traditonelle Aussteller dadurch fern bleiben (Kommentar)

Zeitung Heute : Die Internationale Funkausstellung muss mit der Zeit gehen, selbst wenn traditonelle Aussteller dadurch fern bleiben (Kommentar)

Joachim Huber

Der Name ist Tradition und bleibt: Internationale Funkausstellung. Ansonsten kann die Ifa im 75. Jahr ihres Bestehens nicht bleiben, was sie war. Die sich immer schneller verändernde Medienwelt erfordert eine Neupositionierung. Die Messe will weg von ihrer traditionellen Ausrichtung als Weltmesse der Verbraucher-Elektronik und sich hin zu einem Wegweiser in die Informationsgesellschaft entwickeln.

Das ist ein hoher Anspruch. Die Aussteller scheinen damit einverstanden. Die 160 000 Quadratmeter Messefläche sind ausgebucht, nie gab es mehr Aussteller, nie war der Zuspruch internationaler. Gute Geschäfte bahnen sich an. Die mehr als 400 000 erwarteten Besucher werden für Messegesellschaft und Aussteller den Gradmesser dafür bilden, was die Kunden als Endkonsumenten akzeptieren. Zweifel sind angebracht: "Online World", "Ifa Young World", "Mobile Media" oder "Video-DVD" sind nicht automatisch Schwerpunkte, die die Publikumsmassen elektrisieren.

Was der Ifa 1999 fehlen wird, ist das Circensische. Die für jedermann erkenn- und begreifbaren Attraktionen, wie sie die privaten TV-Veranstalter RTL, Pro 7 oder Sat 1 bieten. Auf sie muss die Funkausstellung dieses Mal verzichten. Für eine Messe, die auf den Verbraucher setzt, ist das ein herber Schlag. Der Messeplatz Berlin hätte schwer daran zu schlucken, wenn der Publikumsandrang nachließe und im Zuge dessen auch die Nachfrage der Aussteller sinken würde. Dann wäre sofort die Konkurrenz einer Cebit Home spürbar, die sich an den professionellen Nutzer wendet. Die Ifa 1999 steht in ihrem Jubiläumsjahr vor einem Härtetest. Es muss keineswegs so kommen, es kann aber so kommen: Die große Zahl bleibt aus, weil die Attraktionen für das Massenpublikum nicht reichen. Und die kühl kalkulierenden Aussteller reagieren mit nachlassender Buchung. Die privaten Fernsehveranstalter jedenfalls suchen sich anderswo ihr feines kleines Fachpublikum. Am 18. und 19. August in Düsseldorf bei der "Telemesse".

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