Zeitung Heute : Die Internet-Fabrik

Neues Strato-Rechenzentrum in Berlin mit Millionen Webseiten

Kurt Sagatz

Dedizierte Server, redundante Systeme, USV und Backup-Controll, diese Begriffe sind für die meisten Menschen böhmische Dörfer. Dass es dabei um Internet-Seiten geht, die mittlerweile zum festen Bestandteil des Alltagslebens gehören, lässt sich nur erahnen. Dabei sind es genau solche Techniken, die den Aufbau von privaten Homepages erst zum Volkssport von Millionen Internet-Nutzern gemacht haben. Und damit sowohl diese neue Freizeitbeschäftigung als auch die kommerzielle Nutzung des Internets zuverlässig und preiswert funktionieren, nimmt die Berliner Firma Strato am heutigen Freitag ein neues Rechenzentrum in der Hauptstadt in Betrieb. Dort sorgen genau diese Techniken mit den kryptischen Namen für einen reibungslosen Rund-um-die- Uhr-Betrieb. Strato gehört neben dem Konkurrenzunternehmen 1&1 zu den ganz großen Webhostern in Deutschland. Auf den Strato-Rechnern laufen an die 2,5 Millionen gewerbliche und private Homepages.

„Strato ist der erste große europäische Webhoster, der Kundendaten gleich an zwei weit voneinander entfernten Orten bereithält, damit die Datensicherheit in jedem Fall gesichert ist“, begründet Strato-Aufsichtsratschef Rochus Wegener die Inbetriebnahme des 3000 Quadratmeter großen Rechenzentrums in Charlottenburg. Auch die Firmenzentrale mit den 210 Mitarbeitern hat ihren Sitz am neuen Standort in der Pascalstraße gefunden. Dort sei genug Platz für die weiteren 100 Mitarbeiter, die in den nächsten drei Jahren eingestellt werden sollen, so Wegener. Bis 2006 will Strato in den Berliner Standort 16 Millionen Euro investieren. Neben Berlin betreibt das Unternehmen ein Rechenzentrum in Karlsruhe.

Über die Hälfte der Kunden sind Privatleute, die sich in ihrer Freizeit eine eigene Internet-Domain basteln. Das neue Rechenzentrum ist dagegen eine richtige Internet-Fabrik. Vier Etagen stehen für Tausende von Rechnern bereit. Riesige Generatoren und gewaltige Bleiakku-Reihen würden den Betrieb der Rechner für Wochen sicherstellen – Internet-Produktion in Serie.

7,5 Millionen de-Adressen

Doch nicht nur der Webhoster Strato blickt inzwischen auf eine langjährige Geschichte zurück. Der zentrale deutsche Internet-Adressenverwalter Denic wurde 1994 eingerichtet. Mit der erstmaligen Zulassung von Umlauten in Internet-Adressen im März hat der Andrang auf Anmeldungen bei der Denic im vergangenen Monat einen neuen Höhepunkt erreicht. Von den 300 000 neuen Adressen in diesem Monat entfielen allein 200 000 Seiten auf Adressen mit deutschen Umlauten. In normalen Monaten bewältigt Denic 100 000 Neuanmeldungen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der de-Domains auf rund 7,5 Millionen, die von den 80 Mitarbeitern der Denic verwaltet werden. Nach der international gebräuchlichen Endung .com ist die Domain .de im Netz am zweitbeliebtesten und damit das häufigste echte Länderkürzel.

Dieser Erfolg beruht nicht zuletzt auf der Organisationsform der Denic. Weil die Registrare genossenschaftlich organisiert sind, sind die Kosten für die Anmeldung einer neuen Domain im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrig.

Davon profitieren nicht nur die großen Webhoster, sondern vor allem die Millionen privaten Webseitenbetreiber in Deutschland. In den einfachsten Varianten kostet eine Internet-Homepage gerade einmal ein paar Euro pro Monat. Als Strato mit diesem Geschäftsmodell 1998 startete, galt es noch als hoch gestecktes Ziel, in fünf Monaten 5000 Domains zu verkaufen. Wie schnell die Entwicklung verlief, zeigte sich schon damals, denn nach diesen fünf Monaten wurden tatsächlich 50 000 Internet-Adressen geschaltet. Und jetzt, im neuen Rechenzentrum in Berlin, ist Platz für bis zu zehn Millionen weitere Internet-Präsenzen und auch für neue Techniken wie das Telefonieren über das Netz.

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