Zeitung Heute : Die ISOC kontrolliert das Netz

STEFAN KAUFER

Die Internet-Society ( ISOC ) ist eine selbst-ernannte Ordnungshüterin und Leiterin im Netz der Netze.1992 wurde die Gesellschaft mit Sitz im US-Bundesstaat Virginia gegründet, heute gehören ihr bereits rund 150 Unternehmen, Forschungsstellen und Regierungsbehörden an.Ihre über die Homepage www.isoc.org abrufbare Mitgliederliste reicht von den Vereinigten Staaten aus in über einhundert Länder hinein: So ist das Japan Network Information Center daran genauso beteiligt wie die Sweden Post oder die Deutsche Telekom.Aber auch Microsoft, IBM und die University of Washington zählen zu den Mitgliedern der ISOC.

Geleitet wird die Internet-Society von einem zwanzigköpfigen Vorstand, den die rund 6 000 individuellen Mitgliedern aller beteiligten Unternehmen und Gesellschaften wählen.Ihr erklärtes Ziel ist es, maßgeblichen Einfluß auf die Zukunft des Internet zu nehmen.Damit ist vor allem die Steuerung seines Wachstums gemeint.Die Gesellschaft sieht sich explizit als Unterstützer einer "offenen, globalen Entwicklung" des Netzes.Als zweite Aufgabe hält die Vereinigung es für wichtig, die "Lebensfähigkeit" des Netzes zu sichern.

Dieses Sichern besteht konkret darin, daß die ISOC eine Reihe von Institutionen unter ihrem Dach vereint, die Regeln für die Infrastruktur des Netzes aufstellen.Die beiden wichtigsten Untergruppen sind die Internet Engineering Task Force (IETF) und das Internet Architecture Board (IAB).Ihre Kontrollfunktion üben sie durch das Festlegen von Standards aus: Sie schreiben vor, was beispielsweise ein das Internet nutzendes Programm mindestens leisten muß, um mit anderen nicht in Konflikt zu geraten.Auch was eine E-Mail an zusätzlichen Angaben - wie etwa den Absender, eine Subject-Zeile, das Datum oder den Prioritäts-Grad - enthalten muß, damit sie alle Mail-Programme richtig anzeigen können, wird von IETF und IAB festgelegt.Mit solchen Standard-Setzungen wollen diese Organisationen dafür sorgen, daß das Netz stabil bleibt.Denn die User sollen weltweit nicht andauernd Fehlermeldungen auf ihre Bildschirme bekommen.

Auf ihre weniger konkret faßbare Aufgabe als Zukunftslenkerin des Internet angesprochen, sieht sich die ISOC als Forum und Informationszentrum für alle an der Entwicklung des Netzes interessierten Gruppen.Zweimal jährlich veranstaltet - sie die INET - eine Konferenz, auf der nach weltweit praktikablen Möglichkeiten zur Verbesserung der Internet-Struktur gesucht wird.In parallel dazu stattfindenden Tutorien und Workshops werden Techniker der Internet-unterentwickelten Länder unterrichtet und in ihrer Aufgabe unterstützt, die Vernetzung ihrer Länder voranzutreiben, damit man dort nicht vollständig den Anschluß verliert.Die ISOC ist außerdem an der Auslobung des Wettbewerbs ThinkQuest beteiligt, bei dem insgesamt eine Million Dollar als Stipendiengeld für Schüler mit innovativen Ideen für das Internet vergeben wird.

Natürlich beteiligt sich die Gesellschaft auch aktiv an aktuellen Diskussionen, wie etwa um die Neuregelung der Domain-Vergabe.Und auch eine andere Sache hat sie erfolgreich umgesetzt: Sie sorgte dafür, daß der Begriff Internet weiterhin für jeden frei benutzbar bleibt - und nicht von einer einzelnen Firma gekauft und geschützt werden konnte.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

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