Zeitung Heute : Die Kampfansage

Das Bundeskriminalamt schlägt Alarm. Osama bin Ladens Terroristen wollen Deutschland, Europa, ja den gesamten Westen angreifen. Bedroht sind Länder, deren Soldaten in Afghanistan stationiert sind. Aber auch Staaten, die nach dem 11. September Islamisten verhaftet haben.

Frank Jansen Ralph Schulze

Von Frank Jansen

und Ralph Schulze

Die Gefahr scheint noch größer zu sein, als bislang angenommen. Nach dem Anschlag auf Bali habe sich das Risiko „erheblich erhöht“, die Bundesrepublik könnte ein Ziel islamistischer Anschläge werden, schreibt der „Spiegel“ und beruft sich auf das Bundeskriminalamt. Laut „Focus“ gelten zudem deutsche Einrichtungen im Ausland jetzt als genauso gefährdet wie US-Institutionen. Das BKA kommentiert die Berichte nicht. Sicherheitsexperten kommen allerdings zu dem Schluss, dass vor allem die Terroraktionen auf den Ferieninseln Djerba und Bali sowie der Angriff auf den französischen Tanker „Limburg“ vor der Küste Jemens als Kampfansage an den gesamten Westen zu begreifen sind. Zwei Gründe werden genannt: Staaten wie Deutschland und Australien sind stärker ins Visier geraten, weil sie sich an den Militärschlägen der Amerikaner in Afghanistan beteiligt haben, und: Jedes Land, in dem militante Islamisten in Haft sitzen, sei automatisch stark gefährdet.

Damit sind in Europa vor allem die Länder des Westens gemeint. Abgesehen von Russland, dass sich mit seinem Krieg gegen die Rebellen in Tschetschenien weltweit den Hass der Islamisten zugezogen hat, scheinen osteuropäische Länder keine herausragende Bedeutung für die Aktionen der Al Qaida und verwandter Terrorgruppen zu haben. Deutschland, Großbritannien und Frankreich gelten hingegen in besonderem Maße als Feinde, weil ihre Streitkräfte in Afghanistan gekämpft haben und in den drei Staaten militante Islamisten festgenommen wurden. Anfang Oktober drohte der Stellvertreter Osama bin Ladens, der Ägypter Ayman Al-Sawahiri, in einem Interview des Fernsehsenders Al-Dschasira vor allem Frankreich und der Bundesrepublik. „Die jungen Gotteskrieger haben eine Botschaft an Frankreich und Deutschland geschickt“, sagte Al-Sawahiri und meinte offenkundig die Anschläge gegen den Tanker „Limburg“ und auf Djerba. „Sollte aber die Dosis nicht ausreichend gewesen sein, so sind wir bereit – natürlich mit Hilfe Allahs – die Dosis zu erhöhen.“

Damit kann sich nach Meinung von Sicherheitsexperten niemand mehr der Hoffnung hingeben, Deutschland werde auch weiterhin von islamistischen Terroristen „nur“ als Ruhe- und Planungsraum genutzt. Dies gilt allerdings auch für Länder, die bislang kaum gefährdet schienen, wie beispielsweise Dänemark und Norwegen. Beide Länder haben Spezialeinheiten nach Afghanistan geschickt, damit sind sie im Fadenkreuz. Stärker gefährdet dürften allerdings Italien und Spanien sein. Italien hat sich zwar nur in bescheidenem Rahmen an der Antiterrorallianz „Enduring Freedom“ beteiligt, doch sind in dem Land mehrere islamistische Terroristen inhaftiert, zumeist Tunesier.

Immer mehr Spuren des internationalen Terrornetzwerks führen außerdem nach Spanien: Es gilt als eines der wichtigsten europäischen Rückzugsgebiete für muslimische Extremisten. Entsprechend taucht Spanien auf der Liste der potenziellen Terrorziele Al Qaidas auf. Die spanischen Sicherheitsbehörden gehen zudem davon aus, dass die Hintermänner des Bombenanschlags auf die Urlauber-Diskothek in Bali Kontakte zu iberischen Gesinnungsgenossen unterhielten.

Bereits vor einem Jahr habe der Geheimdienst Spaniens die Indonesier über ein Terroristen-Ausbildungslager auf der Insel Sulawesi informiert, heißt es. Ein mutmaßlicher hochkarätiger Al-Qaida-Mann, der nach dem 11. September 2001 in Spanien verhaftet wurde, soll enge Beziehungen zu diesem Terrorlager unterhalten haben.

Erst vor kurzem deckten die Behörden Pläne auf, die sich gegen die US-Militärbasis Rota an der südspanischen Küste richteten. Demnach wollten Terroristen den Stützpunkt mit sprengstoffbeladenen Schnellbooten angreifen. Auch Urlauberschiffe, die die Meerenge von Gibraltar passieren, gelten als gefährdet. Außerdem haben Al-Qaida-Leute angeblich Kontakt zur baskischen Terrororganisation Eta aufgenommen, obwohl sie als „ungläubig“ gilt. Bei konspirativen Treffen soll Geheimdienstangaben zufolge über gemeinsame Waffenbeschaffung gesprochen worden sein – und über eine Kooperation bei Anschlägen in Spanien.

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