Zeitung Heute : Die Klassikerin

Julia Claren ist neue Geschäftsführerin bei Dussmann. Die Aufsteigerin arbeitet dort seit der Eröffnung

Rita Nikolow

Sie hat vor ein paar Wochen ihren 44. Geburtstag gefeiert – aber man sieht es ihr nicht an. Strahlend fährt Julia Claren die Rolltreppe hinunter in die Klassikabteilung, die sie im Untergeschoss des Kulturkaufhauses aufgebaut hat. Es ist die größte weltweit, allein für die Tonträger und DVDs gibt es 800 Quadratmeter Platz. Vor zwei Jahren ist ein Vollsortiment an Noten, Partituren, Musikbüchern und Instrumentenzubehör hinzugekommen – auf noch einmal 230 Quadratmetern. Bei professionellen und Hobby-Musikern ist das Klassikangebot beliebt – über Berlins Grenzen hinaus.

„Ich habe die Arbeit hier immer geliebt“, sagt Julia Claren und das sieht man ihr an. Seit Mitte Dezember ist sie als neue Geschäftsführerin für das gesamte Kulturkaufhaus verantwortlich. Claren will ihren 180 Mitarbeitern Teamorientierung und Verbindlichkeit signalisieren: „Meine Mitarbeiter sind dazu eingeladen, die Entwicklungen im Haus mitzugestalten.“ Auf eine gute Zusammenarbeit habe sie schon als Leiterin der Klassikabteilung viel Wert gelegt.

Claren arbeitet seit der Eröffnung im Oktober 1997 bei Dussmann in der Friedrichstraße, damals hat sie noch studiert, Germanistik und Musikwissenschaften. Und sich parallel zur Opernsängerin ausbilden lassen: „Ich habe relativ früh angefangen, neben dem Studium zu arbeiten.“ Die erste Klassikabteilung, die sie geleitet hat, war die der Berliner Filiale der französischen Kulturkaufhauskette „Fnac“, die Anfang der neunziger Jahre eröffnet wurde. Als die Konzernleitung die Filiale 1995 schloss, wechselte sie zu „City Music“ am Kurfürstendamm und baute dort die Klassikabteilung auf. Dussmann warb sie von dort ab.

Der Erfolg der Klassikabteilung hängt auch damit zusammen, dass Julia Claren sich eng mit Berlins Kulturinstitutionen vernetzt hat, zum Beispiel mit den Opernhäusern, dem Konzerthaus und der Philharmonie. Die ehemalige Klassik-Chefin hat eigene Veranstaltungen organisiert und regelmäßig Künstler ins Haus geholt, um das Publikum in Kontakt mit den Musikern zu bringen. So hat sie auch die Krise der klassischen Musik überwunden, die sie vor fünf Jahren in Berlin diagnostizierte. „Ich liebe Musik, und habe damals gedacht, das kann doch nicht sein.“ In ihrer neuen Rolle als Geschäftsführerin sieht sich Claren als Mentorin und Ermutigerin: „Aber letztendlich bin ich die Entscheiderin, eine Investmentscheidung kann ich schließlich nicht auf viele Schultern legen.“

Inhaltlich will sie in Zukunft wieder stärker an einzelnen Themen arbeiten. „Bei uns bekommen die Kunden mehr als nur die Produkte, sie werden auch kompetent beraten – damit unterscheiden wir uns stark vom Buchkauf im Internet.“ Und manchmal kämen die Kunden auch nur, um eine Veranstaltung zu besuchen. Das Online-Geschäft will Claren aber trotzdem ausbauen: „Bis 2010 soll es im Internet eine Plattform geben, die das Sortiment in seiner Tiefe wiederspiegelt.“ Für Noten bietet Dussmann bereits eine Plattform an.

Von der Wirtschaftskrise spürt das Kulturkaufhaus bislang nichts: „Ich glaube, dass die Kunden eher bei größeren Kostenpositionen sparen“, vermutet Claren. Die Möglichkeit, sich mit Kultur, Büchern, CDs oder Filmen zu beschäftigen, sei dagegen viel preiswerter.

Überrascht hat die Chefin, dass ihre Kunden vor allem abends große Einkäufe machen: „Die Leute schätzen die Ruhe und wollen nicht beim Stöbern gestört werden.“ Workaholic Claren ist abends meist bei Dussmann zu finden. „Ich verlasse das Haus selten vor 22 Uhr und arbeite danach oft zu Hause weiter.“

Bei uns bekommen die Kunden mehr als nur die Produkte,

sie werden auch kompetent beraten – damit unterscheiden

wir uns stark vom Buchkauf im Internet.“

Julia Claren,

Geschäftsführerin des Kulturkaufhauses Dussmann

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