Die Kontrahenten bei der Griechenland-Wahl : Jung gegen alt - Tsipras gegen Samaras

Sie sind die stärksten Kontrahenten bei dieser Wahl am Sonntag – und könnten unterschiedlicher kaum sein

Antonis Samaras, 61-jähriger Chef der konservativen Nea Dimokratia, will mit einem Wahlsieg seine lange, verschlungene politische Karriere krönen. Der 37-jährige Senkrechtstarter Alexis Tsipras, Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza), ist der neue Star der politischen Szene Griechenlands.

Antonis Samaras

Schon mit 26 wurde Samaras, der in Harvard Wirtschaftswissenschaften studiert hatte, zum ersten Mal ins Parlament gewählt, mit 38 wurde er Finanz-, danach Außenminister – ein Amt, in dem er zunehmend nationalistische Töne anschlug. Das führte 1993 zum Bruch mit der Partei. Samaras verbrachte mehr als zehn Jahre im politischen Abseits, bevor er sich 2004 wieder der ND anschloss. Im November 2009 wurde er zum Parteichef gewählt. In dieser Rolle bekämpfte er zunächst die Sparpolitik der regierenden Sozialisten, stützte dann aber seit November 2011 die Übergangsregierung des parteilosen Premiers Lucas Papademos, die das zweite Hilfspaket für Griechenland aushandelte. Als Regierungschef will Samaras die Bedingungen des Rettungspakets neu aushandeln. Er verlangt eine Lockerung der Sparauflagen, mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung und Wachstumsimpulse. Bei der Wahl im Mai erzielte er mit knapp 19 Prozent das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte. Viele Griechen sehen in Samaras einen Repräsentanten der alten, korrupten politischen Klasse.

Alexis Tsipras

Der 37-Jährige konnte bei der Wahl vom 6. Mai den Stimmenanteil seiner Partei gegenüber 2009 fast vervierfachen, und jetzt liegt Syriza in manchen Meinungsumfragen sogar auf dem ersten Platz. Tsipras ist der mit Abstand jüngste griechische Parteiführer. Der Sohn aus gutem Hause war schon Anfang der 90er Jahre als Mitglied der kommunistischen Jugend aktiv, organisierte an seinem Athener Gymnasium Streiks und Schulbesetzungen, trat mit radikalen Sprüchen in Fernseh-Talkshows auf. Heute sagt Tsipras, er wolle die griechische Politik und Gesellschaft von Grund auf erneuern. Aber das Programm der Partei wirkt anachronistisch: Verstaatlichungen, Masseneinstellungen im ohnehin aufgeblähten öffentlichen Dienst, landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Tsipras wettert gegen die Vetternwirtschaft der alten Parteien, betreibt aber selbst Klientelpolitik unter anderem Vorzeichen: Seine treuesten Anhänger sind die Staatsbediensteten, denen er Kündigungsschutz verspricht. Tsipras hat viele Gesichter: Bei den Wahlkundgebungen kündigt er mit geballter Faust eine „Revolution“ an, in Interviews mit ausländischen Journalisten dagegen redet er lächelnd von Reformen.

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