DIE KRANKENGESCHICHTE : Holger Rister*, 29

Befund:

Schizophrenie

Therapie: Psychiatrische Behandlung

Krankenhaus: Ev. Krankenhaus Königin-

Elisabeth-Herzberge

Vorgeschichte: Holger Rister sagt, er habe schon immer geahnt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Ein stetes Unwohlsein sei es gewesen, ein Gefühl, sich selbst Fremd zu sein. Jahrelang schaffte er es, diese Ahnung zu ignorieren. Bis eines Tages die Stimmen auftauchten. Gespräche, die es nicht gab, die Holger Rister aber absolut real vorkamen. 17 Jahre war er da alt. „Ich hörte im Nachbarraum Menschen, die sich über mich lustig machten und mich verhöhnten“, sagt Rister. Dass die Stimmen immer wussten, was er gerade dachte, sei das Schlimmste gewesen. „In den Momenten habe ich eine unglaubliche Angst gehabt.“ Als er es nicht mehr aushielt, suchte er Hilfe in der Jugendpsychiatrie.

Behandlung: „Beim ersten Mal dachte ich, ich rede da mit jemandem, und dann kann ich gleich wieder nach Hause gehen“, sagt Rister. Er schüttelt den Kopf. Heute weiß er, wie absurd diese Vorstellung war. Neun Monate verbrachte er im Krankenhaus. Die Ärzte sagen, die Drogen seien ein Auslöser für die Schizophrenie gewesen. Jahrelang hatte Rister große Mengen Marihuana, aber auch LSD und Ecstasy konsumiert. Doch auch genetische Ursachen spielten sicher eine Rolle. Sein Vater litt bereits unter Schizophrenie, seine Mutter wurde wegen Depressionen behandelt. Bei seiner jüngeren Schwester wurde ebenfalls Schizophrenie diagnostiziert. In der Psychiatrie bekommt Rister Psychopharmaka, die die Halluzinationen dämpfen, er macht Gesprächs- und Entspannungstherapien. Die Stimmen seien dank der Medikamente verschwunden, sagt er. Allerdings habe er sich auch oft antriebslos gefühlt und in seinem Zimmer verkrochen.

Das Leben jetzt: Nach seiner ersten Behandlung absolviert er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, versucht ein normales Leben zu leben, doch die Schübe kommen immer wieder. Acht Mal war er inzwischen in psychiatrischer Behandlung, mehr als einmal habe er an Selbstmord gedacht. Holger Rister redet nicht gerne über seine Krankheit. Er schämt sich. Deshalb möchte er auch nicht erkannt werden. „Die Leute denken ja immer, man sei verrückt.“ Dabei ginge es ihm momentan recht gut. Die Tabletten, die er inzwischen bekomme, seien hervorragend – auch wenn er durch sie 40 Kilo zugenommen habe, in drei Monaten. „Dank ihnen kann ich jedoch wieder einen normalen Alltag haben, arbeiten, Freunde treffen“, sagt Holger Rister. „Ich bin wieder am Leben.“ mho

* Name geändert

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