Zeitung Heute : Die Krise als Chance für das Miteinander FÖRDERPROGRAMM FÜR BENACHTEILIGTE JUGENDLICHE

In der degewo-Reihe „Verantwortung für die Stadt“ ging es um gesellschaftliches und privates Engagement

Schweißt uns die Weltwirtschaftskrise wieder mehr zusammen? „Umfragen zeigen, dass es eine Rückkehr gibt zu traditionellen Werten und zu mehr Zusammenhalt", sagte Frank Bielka, Vorstandsmitglied der degewo. Berlins größtes Wohnungsunternehmen hatte am Dienstag bereits zum fünften Mal zu ihrer Veranstaltungsreihe „Verantwortung für die Stadt“ eingeladen. Bei den Podiumsgesprächen mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur werden Zukunftsfragen debattiert.

Dieses Mal ging es um das Thema „Krise als Chance: Zusammenleben ist mehr wert!“. Rund 150 Zuhörer waren in die Kalkscheune gekommen. In der Diskussion kristallisierte sich schnell ein gemeinsamer Nenner heraus: Ein Miteinander könne nur funktionieren, wenn jeder Einzelne eigenverantwortlich handele.

Der Journalist Harald Martenstein brachte ein Beispiel aus seiner WG-Zeit in den 70er Jahren: „Wenn es immer jemanden gibt, der das Geschirr spült, dann spülen die anderen eben nicht.“ Die Menschen sollten motiviert werden, sich um sich selbst zu kümmern. Und: Es gebe nicht nur traditionelle Werte. „Es gibt auch traditionelle Unwerte“, sagte er, „Gier gab es zum Beispiel schon immer.“ Insofern habe die Krise die Menschen nicht verändert.

Dominique Döttling warnte davor, schnelle Veränderungen zu erwarten. Gleichwohl bedauerte es die Unternehmerin und Vizepräsidentin des Weltverbandes der Wirtschaftsjunioren, dass kaum Ansätze erkennbar seien, über einen gesellschaftlichen Wandel nachzudenken. „Ich hoffte, im vergangenen Wahlkampf würden moderne Gesellschaftsformen diskutiert.“ Stattdessen habe die Wirtschaftskrise zu alten, ideologischen Gegnerschaften zwischen „Oben“ und „Unten“ geführt. Hier die guten Arbeitnehmer – dort die bösen Arbeitgeber. „Zum Glück gibt es auf lokaler Ebene gesellschaftliches Engagement des Mittelstands. Aber das reicht leider nicht aus“, sagte Döttling. Und: Diese Initiativen habe es auch schon vor der Krise gegeben und vor dem Aufkommen des „Corporate Social Responsibilty“, also der gesellschaftlichen Verantwortung, zu der sich immer mehr Unternehmen verpflichten.

Die degewo setzt schon länger auf die Vernetzung verschiedener Akteure in den Kiezen. Frank Bielka verwies auf die Bildungsverbünde von Schulen und Kitas im Brunnenviertel und in der Gropiusstadt, aber auch auf das ehrenamtliche Engagement bei der Betreuung von Senioren in den Wohnquartieren.

Recht schnell kam man in der Debatte zum Thema Miteinander auf Bildungsfragen zu sprechen. Wirtschaftswissenschaftler Joachim Schwalbach, Professor am Institut für Internationales Management an der Humboldt Universität (HU Berlin), forderte, Deutschland müsse mehr in Bildung investieren. „Wissen ist der einzige Rohstoff, den wir haben, und das ist für die ganze Volkswirtschaft gut“, sagte Schwaldbach. „Deutschland ist in wirtschaftlicher Hinsicht kein alphabetisiertes Land. Die Menschen verstehen doch nicht, was an den Börsen passiert“, bestätigte auch Wirtschaftsjournalist Wolf Lotter. Wenn man eines aus der Krise lernen müsste, dann sei es, sich von der Abhängigkeit einzelner Spezialisten und Bankmanager zu emanzipieren. Eigenverantwortung übernehmen durch Wissen – das war die Botschaft des Abends.

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