Zeitung Heute : Die Länder planen eine beschleunigte Ausrüstung der Schulen mit Computern

Die Bundesländer haben bei der Ausstattung ihrer Schulen mit Computern und Internetanschlüssen zur Aufholjagd geblasen. Von Kiel bis München versuchen die Landesregierungen, den Vorsprung anderer Staaten aufzuholen. Das ergab eine Umfrage. Dabei gehören die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern zu den Spitzenreitern. Im Osten ist der Nachholbedarf am größten.

In Baden-Württemberg haben alle der mehr als 4000 Schulen einen multimediafähigen Computer. Elf Computer zählt jede Schule im Durchschnitt. Die Ausstattung ist Teil der Multimedia-Offensive des Landes, für die zwischen 1998 und 2001 insgesamt 155 Millionen Mark ausgegeben werden. Rund zwei Drittel der Kosten entfallen auf die Schulträger, der Rest auf das Land. Kultusministerin Annette Schavan (CDU) will bald jeden Schüler mit einem tragbaren Computer ausstatten. Für insgesamt elf Millionen Mark werden 5 500 Lehrkräfte zu Multimedia- und Netzwerkberatern ausgebildet.

In Bayern soll nach dem Willen der CSU bald in jedem Klassenzimmer ein Computer stehen. Dafür gibt die Staatsregierung in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Mark aus, die Kommunen 120 Millionen Mark. Derzeit stehen in den rund 5000 Schulen etwa 95 000 Computer. Von den Gymnasien sind bereits 97 Prozent am Netz. Bayern investiert nach eigener Darstellung besonders stark in die Ausbildung der Pädagogen. Die rund 70 000 Lehrer der etwa 3000 weiterführenden Schulen werden seit zwei Jahren im Umgang mit den neuen Medien fortgebildet. Künftig sollen auch die 30 000 Grundschullehrer in diesem Fach wieder die Schulbank drücken.

In Nordrhein-Westfalen ersetzen Laptops zumindest schon in einer Schule die Ranzen. Die Bertelsmann-Stiftung, Toshiba und Microsoft statteten in einem bundesweit einmaligen Projekt fünf Klassen eines Gymnasiums in Gütersloh mit tragbaren Computern aus. Die Schüler arbeiten damit nicht nur im Mathe-Unterricht. Sie können über Textverarbeitungs-,Tabellenkalkulations-, englische und französische Lernprogramme, eine Datenbank und ein elektronisches Lexikon verfügen. Die Eltern unterstützen das Projekt mit rund 65 Mark pro Monat. Bis Ende des Jahres sollen alle Schulen des Landes am Netz sein. Alle rund 3300 weiterführenden Schulen hätten bereits einen Computer, 85 Prozent einen Internet-Arbeitsplatz.

In Brandenburg sollen erst bis zum Jahre 2004 alle Schulen am Netz sein. Derzeit habe nur ein Drittel der Schulen Internet-Zugang, sagt Bildungsminister Steffen Reiche (SPD). Damit liege Brandenburg im Ländervergleich an vorletzter Stelle - nur noch gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern. Die Gesamtkosten für die Mindestausstattung der Schulen bezifferte der Minister auf etwa 60 Millionen Mark. Mehr als 80 Prozent der Lehrer hätten keine Kenntnisse im Umgang mit dem Internet.

In Sachsen-Anhalt sieht sich die Landesregierung nach den Worten ihres Kultusministers Gerd Harms (SPD) ohne Unterstützung der Wirtschaft nicht in der Lage, alle Schulen mit neuen Computern auszustatten. Alle 116 Gymnasien und 44 berufsbildenden Schulen verfügten über einen Internetzugang, die Ausstattung der anderen Schulen sei aber noch nicht zufrieden stellend.

In Rheinland-Pfalz soll bis Ende des Jahres jede weiterführende Schule einen Computerraum haben. Dafür wollen das sozial-liberal regierte Land und die Schulträger mit Hilfe von Sponsoren bis zu zehn Millionen Mark ausgeben. Bisher findet sich nach Schätzungen der Landesregierung an jeder zweiten der rund 400 weiterführenden Schulen ein Klassenzimmer mit mehreren vernetzten Computern.

In Hessen hat jede der gut 2000 Schulen mindestens einen PC, jede zweite einen Internet-Zugang und jede vierte eine eigene Homepage. Kultusministerin Karin Wolff (CDU) will mehr Gewicht auf die Lehrerfortbildung legen. Zudem lässt sie die Lehrpläne überarbeiten, damit Mittelstufenschüler eine informationstechnische Grundbildung erhalten. Das Internet soll Bestandteil aller Fächer werden.

Im Saarland haben 98 Prozent aller weiterführenden Schulen mindestens einen Internetzugang. Von den rund 280 Grundschulen seien es erst etwa 50. Das soll sich mit dem Projekt "Zukunft schenken" ändern. Hier schenken Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie den Schulen ausgediente Computer. Die Schulen müssen sich verpflichten, pro PC zwei Lehrer im Umgang mit Computern fortzubilden.

In Berlin sollen bis Ende des Jahres alle 900 Schulen im Internet sein, derzeit seien es rund 75 Prozent, sagt Schulsenator Klaus Böger (SPD). Um die Ausstattung der Schulen mit Computern und Internet in der Hauptstadt zu beschleunigen, wird ein Landesinstitut gegründet, das Spenden von Unternehmen an Schulen weitergeben und in einer Kooperation von Firmen und öffentlicher Verwaltung neue Sponsoren gewinnen soll. Ziel sei, jeden Klassenraum mit einem Internetanschluss auszustatten.

Niedersachsen will als erstes Bundesland seine Schulen gemeinsam mit Unternehmen der IT-Branche ans Netz bringen. Noch in diesem Jahr sollen die Lehrerzimmer der 3600 Schulen einen Computer mit Internetanschluss bekommen. 2001 folgen die "Klassenzimmer online". Von 2003 an will Niedersachsen über die Lernmittelfreiheit Eltern einen Zuschuss für einen Schüler-Laptop anbieten. Die Kosten für das Projekt betragen nach Angaben des Landes rund 150 Millionen Mark. Die Hälfte davon trägt das Land, den Rest soll die Wirtschaft übernehmen.

In Schleswig-Holstein sind nach Angaben des Bildungsministeriums schon etwa die Hälfte aller allgemeinbildenden Schulen am Netz. Bei den Gymnasien seien es sogar 100 Prozent.

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