DIE LANGE NACHT DES SHOPPINGS Einkaufen bis Mitternacht : Anziehend für Reisende

Die Einkaufsmeilen der westlichen Innenstadt sollen für Touristen attraktiver werden

Cay Dobberke

Die City-West will mit spektakulären Bauprojekten hoch hinaus – und die Anlieger versprechen sich davon eine noch größere Attraktivität. So soll Anfang April nach 17-jähriger Planung endlich der Bau des 118-Meter-Hochhauses „Zoofenster“ zwischen Bahnhof Zoo und Breitscheidplatz beginnen; nebenan dürfte bald ein ebenso hoher Neubau auf dem Gelände des Schimmelpfeng-Hauses in der Kantstraße entstehen. Doch damit nicht genug: Nahe der Jebensstraße am Zoo starten im Laufe des Jahres die Arbeiten für das 185 Meter hohe Riesenrad, das sich ab Ende 2009 drehen soll. Und in der Budapester Straße will die Bayerische Immobilien-Gruppe die „Zoobogen“-Gebäude modernisieren, darunter das so genannte Bikini-Haus und das ehemalige blaue Kugelkino.

„Die Tauentzienstraße und der Kurfürstendamm wurden immer wieder totgesagt, nach dem Mauerfall richtete sich das Interesse ja auf Mitte – aber Totgesagte leben länger“, freut sich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft City, Klaus-Jürgen Meier. „Es kommt doch alles wieder zurück.“ Unverändert sei die Gegend die größte und umsatzstärkste Einzelhandelsfläche in Berlin.

Mit „mehr Sightseeing-Touristen“ rechnet Boris Kupsch, Betreiber des Onlineportals www.kurfuerstendamm.de. Beim Einkaufstourismus sei die westliche Innenstadt ohnehin führend, bei den Sehenswürdigkeiten liege aber die City-Ost vorne. Vor allem das Riesenrad werde die Touristenströme wieder stärker in den Westen lenken. So sehen es auch die Planer der Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG, die 120 Millionen Euro investieren und künftig zwei Millionen Passagiere pro Jahr erwarten. Geschäftsführer Michael Waiser nennt sein Projekt stets „Aussichtsrad“– und betont damit, dass es um Sightseeing statt Rummel gehe.

Tommy Erbe, Veranstalter der Langen Nacht des Shoppings und Chef eines Stadtrundfahrtenbüros im Europa-Center, glaubt an eine Aufwertung des „Treffpunkts City-West“ und höhere Besucherfrequenzen. Er sieht allerdings auch Probleme. Eine wichtige Frage laute, „wie Besucher hierher kommen“. Gerade angesichts der Riesenradpläne sei es fatal, dass der Bahnhof Zoo im Frühjahr 2006 vom Fernverkehr abgekoppelt wurde. Der Berliner Senat müsse Gespräche mit der Deutschen Bahn führen, damit „wenigstens einige“ Fernzüge wieder am Zoo halten. Verschärft würden die Verkehrsprobleme nach der geplanten Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof. Denn vom künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld aus sei die City-West nur umständlich zu erreichen. Die wenigen geplanten Parkplätze für Reisebusse am Riesenrad reichten jedenfalls nicht aus. Ein Standortvorteil des Ku’damms und seiner Umgebung sind die vielen Hotels, deren Zahl weiter steigt.

Dabei geht es nicht mehr nur um Luxushotels. Zum Beispiel eröffnete im Frühjahr 2007 das „Motel One“ in der Kantstraße zwischen Theater des Westens und Bahnhof Zoo, das rund 250 Zwei-Sterne-Zimmer bietet. Im „Zoofenster“-Hochhaus ist dagegen ein Fünf-Sterne-Hotel mit 300 Zimmern geplant; unklar ist nur noch, welche Hotelkette den Betrieb übernehmen will. In das Nachbar-Hochhaus auf dem Schimmelpfeng-Areal soll ein weiteres Hotel einziehen, Branchenkenner spekulieren auf ein Haus der Mittelklasse. Außerdem soll im Zoobogen ein „Familienhotel“ der mittleren Preiskategorie entstehen, das einen direkten Zugang zum Zoo erhält.

„Die Hotels, aber auch die geplanten Büroflächen in den Neubauten tun der City-West sehr gut“, sagt Boris Kupsch. Schließlich würden Angestellte der Firmen in den künftigen Büros zum Einkaufen und Essen in die Umgebung gehen. „Das ist auch der Erfolgsfaktor der Friedrichstraße in Mitte.“ Bei den Passantenzahlen liegt diese trotzdem deutlich hinter dem westlichen Boulevard aus Kurfürstendamm und Tauentzienstraße.

Dessen ungebrochene Attraktivität für Einzelhändler zeigen Neuansiedlungen wie der größte Berliner Saturn-Elektronikmarkt, der vor kurzem im Europa-Center öffnete. Auch die Lange Nacht des Shoppings ist mit ihren mehr als 500 000 Besuchern ein Standortfaktor. Jeweils im Herbst fungiert sie als Auftaktveranstaltung für die Aktion „Winterzauber Berlin“, mit der die Berlin Tourimus Marketing GmbH immer mehr Reisende in die Stadt lockt. Aber auch bei den Shoppingnächten im Frühjahr verzeichnen beteiligte Läden immer wieder Umsatzrekorde.

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