Zeitung Heute : Die Lern-Baustellen

Streichen, putzen, spenden: Eltern, Lehrer und Schüler packen an, damit Schule wieder Spaß macht

Daniela Martens

Neue Klettergeräte auf dem ordentlichen Schulhof, eine saubere Backsteinfassade, in den Toiletten ein Hauch von Zitronenduft: Auf den ersten Blick wirkt die Gustav-DreyerGrundschule in Hermsdorf sehr ansprechend. Sieht man genauer hin, fällt auf, dass die Farbe von den weißen Sprossenfenstern abplatzt. Dreck liegt in den Ecken und eine dicke Staubschicht auf den Fensterbänken. Das berlinweite Problem bei der Reinigung und Instandhaltung der Schulen ist nicht zu übersehen. „An fast jeder der 31 Grundschulen in Reinickendorf sind Baumaßnahmen notwendig“, sagt die Schulexpertin der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Katrin Schultze-Berndt.

Die Bücher der Gustav-Dreyer-Schule sind im Keller zwischengelagert, die Schüler können nicht an sie heran. Der Lichthof, der zur neuen Bibliothek werden soll, ist seit Monaten eine Baustelle. „Ich bin mehr als ärgerlich, weil es mit dem Bauamt einen ständigen Kampf gibt“, sagt Schulleiter Hans-Detlef Müller. Sechs Räume verlor die Schule an den Hort, der 2005 dorthin verlegt wurde – das ist der Grund für die Umbauten.

„Reinickendorf hat Anträge zum IZBB, dem Bundesprogramm zum Aufbau von Ganztagsschulen, verschlafen und zu wenige Mittel abgerufen“, sagt die Schulexpertin der Berliner PDS-Fraktion, Siglinde Schaub. Das sei problematisch, da der Bezirk nicht genug Eigenmittel habe. Nur 5,6 Millionen Euro sind 2006 für alle Hochbauarbeiten verfügbar. „In Hermsdorf und Frohnau ist die bauliche Situation besonders problematisch, seit Horte und Schulen zusammengelegt wurden“, sagt die CDU-Abgeordnete Schultze- Berndt. „In der Not wird noch die letzte Besenkammer genutzt. Auch die Oberschulen platzen aus allen Nähten.“

Jetzt wird zwar an der GustavDreyer-Schule saniert. Doch die Fenster zum Beispiel werden nicht in den Sommerferien gestrichen, sondern drei Monate lang während des laufenden Schuljahrs. Dazu sollen Klassen in die Cafeteria der Kita umziehen. „Das ist eigentlich nicht möglich“, sagt Schulleiter Müller. Die Räume seien viel zu klein und die Kinder hätten keinen Platz mehr zum Essen. Aber mit wenigen Malern in drei Monaten kostet es den Bezirk weniger als mit mehreren in sechs Wochen.

Bei den Sanierungsproblemen springen oft die Eltern und Schüler in die Bresche. Etwa mit der Aktion „Tulpen für Tische“, bei der sie Blumen verteilen – gegen eine Spende für die Schulen. Oder wie an der Gustav-Dreyer-Schüle, indem sie selbst die Klassen streichen. Und bei einem Sponsoring-Lauf spendeten Eltern für den Hof und die Toilettenrenovierung: Jede Runde der Schüler war eine feste Summe wert. Davon wurden Malerarbeiten und Handtuchhalter bezahlt. Gerade schreiben die Schüler eine gedichtete „Klo-Ordnung“. Sie müssen lernen, besonders sauber zu sein, denn es gibt nur eine Putzfrau. „Bei uns putzen sogar die Lehrer ab und zu“, sagt Schulleiter Müller.

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