Zeitung Heute : Die letzte Stunde

Der Tagesspiegel

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Reden wir mal wieder über den Tod. Routinierte Kulturkritiker meinen ja, er sei noch immer ein Tabuthema in der westlichen Welt. In Wahrheit aber ist der Tod auf allen Kanälen der Mediengesellschaft unaufhörlich präsent. Es gibt keinen heißeren Stoff am Markt der Sensationen.

Auch das Kulturradio widmet dem Tod viele Sendeplätze, gerade jetzt, wo uns der christliche Festkalender nachdrücklich an das Sterben erinnert. Tod und Musik ist das Wochenthema in der hörenswerten „Musikstunde“ des Südwestrundfunks. Es geht um musikalische Riten in der Stunde des letzten Abschieds. Um geistlichen Trost, verpackt in schöne Melodien. Um Tänze auf den Gräbern und komponierte Visionen vom Jenseits. Unter dem Titel „Komm, süßer Tod“ unternimmt Autorin Bettina Winkler einen Streifzug durch die Geschichte von Trauermusik, Sterbegesang und Totentanz (SWR 2, Montag bis Donnerstag, 9 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Wer nicht sterben will, so könnte ein spöttischer Atheist formulieren, muss einfach gesund bleiben. Hilft uns die Religion dabei? „Macht Glaube gesund?“, fragt Autor Bernhard Grom in seinem Essay über die Zusammenhänge von Spiritualität und Heilung. Es klingt wie eine Parodie auf die religiöse Frage nach dem ewigen Leben, aber in strikt naturwissenschaftlicher Perspektive lässt sich Religion durchaus als ein Akt mentaler Hygiene betrachten, der sich wohltuend auf die Gesamtverfassung des Organismus auswirkt. Die Jenseits-Hoffnungen führen zur Verlängerung unseres Aufenthaltes im Diesseits, der Umgang mit überirdischen Dingen erhält die irdische Hülle fit (SWR 2, 25. März, 21 Uhr).

Der Karfreitag beim Südwestrundfunk ist dann dem Thema Todesstrafe gewidmet. Essays, Feature, thematische Musik. Kulturgeschichtliche und ethische Reflexionen. Wir empfehlen das Hörspiel „Die Hinrichtung des Timothy Mc Veigh“ von Patricia Görg. Eigentlich wollte der Oklahoma-Attentäter seine Hinrichtung im Sommer 2001 an das Fernsehen verkaufen. Es fanden sich abgebrühte Medienunternehmer, die das Menschenrecht auf einen öffentlichen Tod proklamierten. Doch die Zeit war noch nicht reif, Mc Veigh starb ohne Direktübertragung. Die amerikanischen Medien haben trotzdem am Tag der Hinrichtung ein gewaltiges Spektakel inszeniert. Patriotischer Rummel, voyeuristisches Amusement. Patricia Görg hat sich das mediale Theater des Todes genau angesehen und aus dem akustischen Material eine spannende „Reality-Radio Show“ geformt (ab 16 Uhr 05).

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