Zeitung Heute : Die leuchtende Pinnwand

Wie aus einer Lichterkette eine Leuchte wurde

Christoph Stollowsky

Manchmal hat sich Pia Punkt regelrecht im Gewirr der langen Elektrokabel verheddert. Und viele Male hat sie auf die winzigen Birnchen geschimpft, die ständig vom Wackelkontakt bedroht sind und sich so beschwerlich auswechseln lassen. Doch andererseits wünschte sie sich ein gedämpftes Licht zum Kuscheln und Wohlfühlen nicht nur zur Weihnachtszeit. Deshalb schlang sie die üblichen Lichterketten ganzjährig um den Spiegel im Flur, die Palme im Wintergarten und Gardinenstange im Schlafzimmer, bis ein Freund erstaunt fragte: „Sag mal, ist bei Euch ständig Weihnachten?" Da beschlossen Pia Punkt und Joachim Kohl, eine ungewöhnliche Leuchte zu entwickeln: Auch sie sollte mit vielen Mini-Birnen eine Atmosphäre von Kerzenlicht schaffen – aber ohne die Nachteile der Lichterketten.

Jetzt schmückt das Werk des Designer-Paares ihr Haus am Weddigenweg 57 in Lichterfelde-West gleich viele Male als Wand- und Deckenleuchte. Sie leben mit ihrem Kindern Mara (4) und Daniel (7) im sanften Licht der Anschauungsstücke wie in einer Lampengalerie und freuen sich über die wachsende Nachfrage. Denn „Jokolux“, das „kleine Licht“, wie sie ihre Leuchte nennen, verkaufen Pia Punkt und Joachim Kohl im Direktvertrieb.

Das ist gut möglich, weil es sich um ein professionelles, TÜV-geprüftes Produkt handelt. Schließlich sind dessen Schöpfer Industriedesigner. Joachim Kohl hat in den vergangenen Jahren Lüfter und medizinische Apparate entwickelt oder sich die Park- und Münzautomaten im neuen Parkhaus am Potsdamer Platz ausgedacht. Pia Punkt entwarf Brillengestelle und Messestände. Mit Metall wissen sie Bescheid.

Also konstruierten sie eine flache, quadratische Edelstahlschachtel, aus deren Rändern rundherum 20 stabil montierte Birnchen ragen – fünf an jeder Seite. In der Box ist alles unsichtbar verkabelt, und über die Schachtel werden am rechten und linken Rand zwei unscheinbare Gummibänder gespannt. Dahinter kann man dünne Acrylglasplatten in acht Farben klemmen. Sie ragen ein wenig über den Rand und werden von hinten beleuchtet. Ein Schummerlicht in Kobaldblau, Orange, Gelb, Violett – oder vielleicht Rot?

Und das Beste: Die quadratische, weniger angestrahlte Fläche im Mittelfeld lässt sich als kleine Pinnwand benutzen, halten die Gummis doch auch Postkarten und Operntickets, erste Kindergemälde, bunte Herbstblätter oder Trockenblumen aus dem Garten fest. Manchmal wechselt Pia Punkt ihre Dekorationen Tag für Tag, je nach Stimmung, und montiert die leicht zu befestigenden Lampen in fantasievollen Mustern an die Wand – mal waagerecht, mal diagonal.

Alle Einzelteile lässt das Designer-Paar von einer Metallbaufirma in Marienfelde anfertigen. „Wir wollten mal ein eigenes Produkt unabhängig vertreiben“, sagt Joachim Kohl. Bisher montiert er alle bestellten Lampen selbst im Weddigenweg, verpackt und versendet sie und sucht noch Händler, die sein behagliches Licht in Berlin und anderswo präsentieren. Eine erste Fangemeinde gibt es schon. „Jokolux“ spricht sich herum. So kam die Mini-Pinnwand im Lichterkranz schon in Geburtshäuser, Arztpraxen und wegen ihrer eleganten, unaufdringlichen Form als gemütliches Grundlicht in Berliner Galerien. Und eine Münchnerin holte sich die sanfte Leuchte aus Berlin gleich mehrfach in ihren Partykeller. Die Gäste waren begeistert. Folge: 40 Nachbestellungen.

Die Lampe ist zum Grundpreis ab 70 Euro erhältlich. Es gibt sie auch in schmaler, rechteckiger Form sowie als Standmodell. Individuellen Wünschen sind kaum Grenzen gesetzt.

Kontakt: Jokolux, Weddigenweg 57, Telefon: 83409763.

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