Zeitung Heute : Die Liebe zu den Dosen

Aus Wohlstandsmüll werden bei Miss Lata Taschen, Kleider und Kostüme für Performances

Inge Ahrens

„Lata“ heißt Blech oder auch Dose. Die Künstlerin Miss Lata kommt aus Spanien, heißt in Wirklichkeit Chusa Lanzuela und wurde in einem Dorf zwischen Barcelona und Madrid geboren. In Valencia war die heute 38-Jährige Medizinisch-Technische Assistentin, in Berlin wurde sie zur Künstlerin. „Berlin hat was Spezielles. Das Überleben hier fördert die Kreativität der Menschen."

Das Auffällige gefällt ihr. Was andere entsorgen, bekommt bei Miss Lata eine neue Bestimmung. Knisternde Schokoeierverpackungen werden zur federleichten Rüstung, Marmeladen- und Joghurtdeckel, Kronkorken, Endlosfilmspulen, nichts ist vor ihren Einfällen sicher. Sogar die zu langen Handschuhen auseinandergezogenen stählernen Topfschrubber sehen extravagant aus.

„Diese Art zu arbeiten macht süchtig“, sagt sie. „Man muss darüber nachdenken, wie aus etwas Fertigem Neues wird. Dabei soll das ganz Besondere erhalten bleiben.“ Der eckige, goldgrüne Olivenölkanister hat jetzt eine kleine Tür zum Reinlangen. Drinnen leuchtet es rot. Das schöne Geheimnis schließt mit einem Schnapper, ein Henkel oder Schulterriemen erleichtert das Tragen.

„Die Doooosen!“ Das klingt bei ihr wie eine Liebeserklärung. Sie zeigt auf ihre Kollektion aus aller Herren Länder in den Regalen ihres Ateliers. Von Freunden mitgebracht sind manche, noch voller Kekse, Kaffee, Teebeutel. „Die besten Büchsen haben die Araber und die Türken.“ Da sind die Papierbildchen noch aufgeleimt. Wie geschaffen für eine Tasche.

„Dass ich gute Hände habe, das weiß ich“, sagt sie selbstbewusst. Die Kleider für ihre Performances entstanden, als ihr Schmuck immer raumgreifender wurde. Den Klang gibt es gratis dazu, wenn Kettenhemden aus Kronkorken leise scheppern und Hängerchen aus gerollten Postkarten aufrührerisch klappern. Am liebsten arbeitet sie mit hartem, sperrigem Material. Es kann vorkommen, dass sie eine Braut in Tetrapack zum Altar schickt.

„Sie denken natürlich, so eine Dose, die ist hart. Aber ist sie mal auseinandergenommen, wird das Material geradezu weich, manchmal sogar elastisch." Auch die schöne Juanita wird eines Tages ihrer Rundungen beraubt sein und vielleicht als blecherner Schild vor der Brust zu Markte getragen. Bis Miss Lata mit der Blechschere kommt, lächelt die Spanierin noch sehr entspannt von der farbenprächtigen Olivendose.

Anfragen über www.misslata.com .

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