Zeitung Heute : Die Lieblinge der Königin

Hortensien gedeihen nicht nur im Garten, sondern sind auch als Kübelpflanze ein Blickfang

Heike Deissler

Königin Luise von Preußen (1776-1810) liebte Hortensien. Zu ihrer Zeit waren die Gewächse aus Fernost jedoch noch wahre Exoten. Obwohl in den kaiserlichen Gärten Japans bereits seit vielen Jahrhunderten gezüchtet, gelangten Hortensien erst Ende des 18. Jahrhunderts zunächst nach England und von dort in viele botanische Gärten Europas. Heute zählen sie zu den weltweit gefragtesten Garten- und Topfpflanzen. Die Beliebtheit der „Wasserschlürferinnen“, so der japanische Name, lässt sich leicht erklären: Sie gedeihen nicht nur im Garten, sondern machen auch im Kübel eine gute Figur. Darüber hinaus berauschen die Gewächse durch prächtige Blütenstände in vielen Farben und Formen, die sogar im Verblühen noch reizvoll sind. „Keine Blume stirbt schöner“ erkannte schon der Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster. Sei es als Willkommensgruß am Hauseingang oder als Blickfang in schattigen Ecken, Hortensien sind vielfältig einsetzbar und passen sich jedem Stil an. Nicht umsonst haben die nostalgischen Blüher den Dreh von der Omapflanze vergangener Zeiten zum modernen Klassiker geschafft. Jedes Jahr kommen neue Hortensiensorten auf den Markt: Mittlerweile gibt es nicht nur zweifarbige (,Bavaria‘) und farbwechselnde (,Hobella‘), sondern auch Varianten mit gefüllten Sternchenblüten (,Hayes Starburst‘).

Hortensien gehören zur Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae). Die Gattung Hydrangea umfasst etwa 80 Arten, die vor allem im gemäßigten Ostasien beheimatet sind. So stammt auch die Wildform der beliebten Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) aus Japan, wo die durstige Pflanze in den Auenwäldern am Japanischen Meer zu finden ist. Nur wenige Hydrangea-Arten dagegen sind in Südostasien und Nord- und Südamerika zu Hause.

Der Gattungsname bedeutet exakt übersetzt „Wassergefäß“ und bezieht sich auf die Samenkapseln, die einem solchen ähneln. Zum deutschen Namen gibt es verschiedene Theorien: er könnte vom altrömischen Eigennamen Hortensia (=Königin des Gartens) oder von historischen Frauenfiguren des 18. Jahrhunderts abgeleitet sein.

Hortensien werden ein bis zwei Meter hoch. Sie schmücken sich von Juni bis September je nach Art und Sorte mit dichten oder lockeren Blütenbällen, grazilen Blütentellern oder kegelförmigen Rispen. Die Blütenstände erreichen bis zu 30 Zentimeter Durchmesser. Was uns als Blütenblätter erscheint, sind in Wirklichkeit Scheinblüten aus Kelchblättern, die Insekten anlocken sollen. Die eigentlichen Blüten sitzen klein und unscheinbar in der Mitte der Dolde oder sind – wie bei vielen modernen Züchtungen - gar nicht mehr vorhanden. Natürlicherweise blühen Hortensien in Weiß, Rosa, Rot und Violett. Das aufsehenerregende Blau beruht auf einem gärtnerischen Trick. Rosa- und rotblühende Sorten schlagen in Blau um, wenn sie in genügend saurer Erde stehen und vor der Blüte mit Aluminiumsalzen versorgt werden.

Nicht nur die bekannte Bauernhortensie ist für die Kübelkultur geeignet. Auch die robuste Rispenhortensie (Hydrangea paniculata), die durch große kegelförmige Blütenstände besticht, hat im Kübel einen großen Auftritt. Ein Hingucker und zudem sehr frosthart ist die Schneeballhortensie (Hydrangea arborescens) mit flachkugeligen dichten Blütenbällen. Wer das ganz Besondere sucht, greift vielleicht zur Eichenblättrigen Hortensie (Hydrangea quercifolia), deren gezahnte Blätter sich im Herbst feuerrot verfärben.

Grundsätzlich benötigen Hortensien im Kübel einen halbschattigen, geschützten Standort. Heiße Südlagen sind ungeeignet. Die Pflanzen lieben moderate Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit, im atlantischen Klima gedeihen sie daher besonders gut. Hortensien brauchen viel Wasser: an heißen Tagen sogar morgens und abends. Am besten eignet sich das von Natur aus weiche Regenwasser. Aber abgekochtes Leitungswasser mit einem Spritzer Essig tut es auch. In heißen Sommern sind die Gewächse auch für eine gelegentliche Dusche dankbar. Die Kübel sollten lieber eine Nummer größer sein, umso besser hält sich die Feuchtigkeit. Auch eine dicke Schicht Mulch verhindert das schnelle Austrocknen. Um das Kleinklima zusätzlich zu verbessern, sollten die Kübel auf Untersetzer gefüllt mit Blähton oder Kies und Wasser gesetzt werden. Hortensien lieben saures Milieu mit einem pH-Wert zwischen 3,5 und 5,5. Sie fühlen sich daher in Azaleen- oder Rhododendronerde wohl. Hohe pH-Werte in Substrat oder Gießwasser dagegen führen zu Mangelerscheinungen. Eine dicke Schicht Kies oder Split auf dem Kübelboden verhindert, dass sich das Wasser staut. Denn Hortensien mögen es zwar feucht, aber nicht vernässt. Umtopfen ist je nach Wuchskraft der Pflanze und Qualität der Erde etwa jedes zweite Jahr erforderlich. Von März bis August erhalten Hortensien alle zehn bis 14 Tage einen kalkarmen Dünger. Alternativ kann ab Mai ein entsprechender Langzeitdünger gegeben werden. Auch Kaffeesatz ist für die Pflanzen bekömmlich. Hortensien müssen nicht unbedingt geschnitten werden. Will man dennoch zur Schere greifen, ist es wichtig zu wissen, ob die Hortensie am alten oder am neuen Holz blüht. Sonst bringt man sich womöglich um die Blütenpracht. Bauernhortensien legen bereits im Vorjahr die Blütenknospen für den nächsten Sommer an. Daher werden im Frühjahr nur abgestorbene oder schwache Triebe ganz entfernt. Von den übrigen Trieben schneidet man nur die vertrockneten Blütenstände und das auch erst im Frühjahr, da sie den darunter liegenden Knospen Schutz bieten. Sind Knospen erfroren, wird bis auf das nächste kräftige Auge zurückgeschnitten. Schneeballhortensien und Rispenhortensien dagegen können kräftig zurückgeschnitten werden, ein buschiger Wuchs und große Blüten sind der Lohn.

Auch das geeignete Winterquartier ist davon abhängig, um welche Hortensie es sich handelt. Rispen- und Schneeballhortensien sind robust und können – entsprechend eingepackt und abgedeckt – draußen im Schutz einer Mauer, in der Garage oder im Gartenschuppen überwintern. Will man bei Bauernhortensien sichergehen, dass die Blütenansätze überleben, kommen sie bereits Anfang Oktober in einen frostfreien, kühlen (null bis acht Grad Celsius) Raum, der auch dunkel sein kann. Die Pflanzen werden nur sparsam gegossen, gerade so viel, dass sie nicht austrocknen. Wenn die Hortensien im Februar aus ihrer Winterruhe erwachen, stellt man sie hell und gibt wieder mehr Wasser. Nach den letzten Frösten wandern die Kübel dann erneut ins Freie. Aber selbst wenn kein passendes Winterquartier vorhanden ist, müssen Hortensienliebhaber nicht auf den Charme von Bauernhortensien verzichten: Neue Sorten wie ,Endless Summer‘ oder ,Bouquet Rose‘ blühen am alten und neuen Holz, so dass trotz Frostschäden eine reiche Blüte gesichert ist. Und so verleiht das Hortensien-Farbspiel jedem Sommer das gewisse Etwas, das bereits Dichter wie Rainer Maria Rilke inspirierte. „Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen in einer von den Dolden, und man sieht ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.“

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